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Faba Konzepte begrüßt den Reformvorschlag vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), die Steuervergünstigung für Fleisch aufzuheben
In einer gestern veröffentlichten Studie zeigt das PIK, wie die Ernährung in Europa durch Preissignale umweltfreundlicher werden kann.
„Die Produktion von Fleisch verursacht immense Umwelt- und Klimaschäden und bedroht unser aller Ernährungssicherheit“, sagt Friederike Schmitz von Faba Konzepte. „Es ist unklug und ungerecht, diese Industrie durch Steuervergünstigungen noch zusätzlich zu subventionieren.“
„Gerechter ist dagegen, auf Fleisch und andere Tierprodukte den regulären Steuersatz von 19 Prozent anzuwenden und die durchschnittlichen Mehrkosten für die Verbraucher*innen anderweitig auszugleichen.“ Im Vorschlag des PIK werden die zusätzlichen Steuereinnahmen den Haushalten zurückerstattet, so dass unterm Strich nur sehr geringe Mehrkosten entstehen (in Deutschland 15 Euro/Jahr).
Friederike Schmitz: „Aus unserer Sicht wäre es noch besser, zur Entlastung der Menschen die Mehrwertsteuer für pflanzliche Grundnahrungsmittel auf Null zu senken. So wird es leichter, sich gesund und umweltfreundlich zu ernähren.“ Eine solche kombinierte Mehrwertsteuerreform empfiehlt auch das Umweltbundesamt.
Das PIK-Forschungsteam betont, dass die Reform der Mehrwertsteuer nur eine kleine Änderung des Konsums bewirken würde und daher nur ein erster Schritt sein kann.
Schmitz:„Es braucht umfassende Maßnahmen, um pflanzenbasierte Ernährungsweisen zu fördern und die Tierindustrie rasch zurückzubauen. Nur so können wir eine gute Ernährung für alle Menschen auf Dauer sichern.”
Oxford-Professor Paul Behrens warnt: Der Klimawandel erschwert und verteuert die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Tierprodukte sind im Vergleich zu pflanzlichen Alternativen besonders betroffen, denn ihre Erzeugung erfordert mehr Land und Ressourcen und ist ineffizient. Damit gefährdet die Tierindustrie die Ernährungssicherheit auch in Deutschland. Der wichtigste Hebel für mehr Ernährungssicherheit sind pflanzenreiche Ernährungsweisen.
„Wir können uns die Tierindustrie längst nicht mehr leisten“, sagt Friederike Schmitz von Faba Konzepte. „Um unsere Ernährung dauerhaft zu sichern, müssen wir das Ernährungssystem jetzt umbauen: Tierzahlen reduzieren, Landwirt:innen beim Umstieg unterstützen, pflanzliche Ernährung fördern. Wir fordern entschlossene Maßnahmen von der Bundes- und den Landesregierungen.”
Hintergrund: Paul Behrens’ Position im Klimareporter, Gastbeitrag von Friederike Schmitz: Ernährungswende „by design“ oder „by disaster“?
Faba Konzepte arbeitet als gemeinnützige Organisation für die gerechte Transformation zu einem pflanzenbasierten Ernährungssystem in Deutschland und Europa.
07.10.2025. Ab dieser Woche wird der Agrarhaushalt für 2026 im Haushaltsausschuss des Bundestages weiter verhandelt. Die Organisationen Faba Konzepte und Germanwatch fordern, die Posten für „Proteine der Zukunft und Chancenprogramm Höfe“ deutlich zu erhöhen. Damit sollen Betriebe unterstützt werden, die von der Tierhaltung auf innovative Proteine umstellen.
Dr. Friederike Schmitz von Faba Konzepte sagt: „Nur mit mehr Unterstützung für alternative Proteine kann es gelingen, Perspektiven für Betriebe zu schaffen und die Ernährung zu sichern – Ziele, die sich Minister Rainer selbst auf die Fahnen schreibt. Aber die aktuelle Tierhaltung, die weiter massiv staatlich gefördert wird, ist nicht zukunftsfähig. Proteine aus Hülsenfrüchten, Pilzen oder Algen schaffen Einkommen für Betriebe und machen unsere Versorgung krisenfester.“
Konstantinos Tsilimekis, Bereichsleiter Welternährung, Landnutzung und Handel bei Germanwatch, ergänzt: „Die aktuellen Dimensionen der Tierhaltung sind insbesondere für den Klimaschutz nicht zuträglich. Weitere notwendige Treibhausgasreduktionen über das Jahr 2030 hinaus können nur über die Reduktion der Tierhaltung erzielt werden, die zugleich auch Potenziale für etwa den Tierschutz bietet. Es darf daher nicht ausbleiben, betriebliche Alternativen beherzt nach vorne zu bringen und entsprechend zu fördern.“
Zentrale Argumente für die Forderung hat Faba Konzepte auf ihrer Website veröffentlicht: https://faba-konzepte.de/haushaltsverhandlungen-2026-wir-fordern-mehr-unterstuetzung-fuerproteine-der-zukunft/
Faba Konzepte arbeitet als gemeinnütziger Verein für die gerechte Transformation zu einem pflanzenbasierten Ernährungssystem in Deutschland und Europa. Mehr: https://faba-konzepte.de/ueber-uns/
Germanwatch ist eine unabhängige Umwelt-, Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisation, die sich für eine zukunftsfähige globale Entwicklung einsetzt. Mehr: https://www.germanwatch.org/de/ueber-uns
Pressekontakt: Dr. Friederike Schmitz, presse@faba-konzepte.de Konstantinos Tsilimekis, tsilimekis@germanwatch.org
Eine heute veröffentlichte Recherche von CORRECTIV und FragDenStaat zeigt: Industrielle Schlachthöfe verbrauchen enorme Mengen an Grund- und Trinkwasser. Dabei ist Wasser in vielen Regionen schon jetzt eine knappe Ressource. Durch den Klimawandel wird sich das weiter verschärfen. Trotzdem wird die Tierindustrie weiter staatlich gefördert und will teilweise noch expandieren. Der Thinktank Faba Konzepte fordert dagegen einen Rückbau der Industrie als wichtige Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel.
„Wir können uns diese Industrie nicht mehr leisten“, sagt Frederic Markert von Faba Konzepte. „Wasser ist für uns alle überlebenswichtig. Schlachthöfe brauchen wir nicht zum Leben, im Gegenteil – die Tierindustrie schadet Umwelt, Klima und Gesundheit.“
Die Tierindustrie wird trotzdem noch immer auf diversen Wegen staatlich gefördert. Die Recherche von Correctiv und FragDenStaat belegt nun eine weitere Unterstützung für einige Schlachthöfe: keine oder niedrige Wassergebühren. In mehrere Bundesländern dürfen Unternehmen mit eigenen Brunnen kostenlos Grundwasser fördern. Manche Schlachthöfe haben außerdem mit lokalen Wasserversorgern Sonderverträge geschlossen, über den vereinbarten Preis geben sie keine Auskunft. FragDenStaat klagt deshalb gegen einen großen Wasserversorger in Niedersachsen.
Frederic Markert: „Durch den fortschreitenden Klimawandel gerät unsere wichtigste Wasserressource, das Grundwasser, immer stärker unter Druck. Für die Klimaanpassung ist es entscheidend, den Verbrauch zu drosseln – auch durch den Rückbau der Tierindustrie.“
Die Tierindustrie wird stattdessen teilweise noch weiter ausgebaut: Aktuell läuft in Königs Wusterhausen bei Berlin ein Genehmigungsverfahren, weil der Hühnerschlachthof des PHW-Konzerns (Wiesenhof) seine Produktion fast verdoppeln will. 150.000 Hühner sollen dort an einem Tag geschlachtet werden. Dagegen engagiert sich eine Bürgerinitiative und verweist insbesondere auf den hohen Grundwasserverbrauch des Schlachthofs. Im betreffenden Landkreis Dahme-Spreewald herrscht laut einer Studie vom Institut für sozial-ökologische Forschung bereits jetzt sowohl struktureller als auch akuter Grundwasserstress.
Frederic Markert: „Um das Grundwasser zu schützen, müssen die Tierzahlen in der Landwirtschaft runter. Die Alternativen sind verfügbar und brauchen jetzt staatliche Unterstützung. Eine pflanzenbasierte Ernährung schont Ressourcen und ermöglicht eine verlässlichere Versorgung in der fortschreitenden Klimakrise. Der Umbau des Ernährungssystems ist daher eine wichtige Maßnahme zur Klimaanpassung. Die Bundesregierung muss Landwirt*innen dabei unterstützen, ihre Betriebe umzustellen, und pflanzenbasierte Ernährung umfassend fördern. Wir fordern daher den Ausbau des Programms „Proteine der Zukunft“ (ehemals „Chancenprogramm Höfe“) und einen Aktionsplan für pflanzenbasierte Ernährung wie in Dänemark.“
Eine solche Transformation der Landwirtschaft brächte mehrere Vorteile mit sich. Die Tierindustrie verbraucht nicht nur viel Wasser, sondern trägt durch Gülle und Pestizideinsatz für Futtermittel zur Wasserverschmutzung bei. Außerdem heizt sie mit hohen Treibhausgasemissionen die Klimakrise weiter an.
Anlässlich aktueller ARIWA-Veröffentlichungen kritisiert Faba Konzepte die Pläne der neuen Regierungskoalition und fordert stärkere Förderungen von Alternativen zur Tierhaltung.
Berlin, 23.05.2025: Der Think Tank Faba Konzepte e.V. bewertet die Pläne von Union und SPD für den Umbau der Tierhaltung in einem Positionspapier als rückschrittlich und irreführend. Der Verein fordert stattdessen Maßnahmen für den Abbau der Tierhaltung und eine pflanzenbasierte Ernährungswende.
Etwa 1,5 Milliarden Euro jährlich will die neue Regierung im kommenden Haushalt in den „tierwohlgerechten“ Stallumbau investieren. Stallneubauten sollen durch weniger genehmigungsrechtliche Hürden erleichtert werden und für 20 Jahre Bestandsschutz erhalten. Das bereits eingeführte Tierhaltungskennzeichnungsgesetz wollen Union und SPD beibehalten und weiterentwickeln. „Statt Tierhalter*innen dabei zu unterstützen, ihre Betriebe auf zukunftsweisende Alternativen umzustellen, stabilisiert die kommende Regierung die Tierhaltung mit langfristigen Investitionen weiter – und täuscht mit dem Haltungskennzeichen vor, dass es den Tieren dabei gut geht“, sagt Dr. Friederike Schmitz, Vorstand von Faba Konzepte.
Schon seit Jahren wird der Umbau der Tierhaltung auf vermeintlich bessere Haltungsstufen als Lösung für die Probleme mit der Tierhaltung propagiert. Sowohl privatwirtschaftliche Labels wie das Tierschutz-Label der „Initiative Tierwohl“ als auch die staatliche Tierhaltungskennzeichnung ordnen das Fleisch unterschiedlicher Tiere in Haltungsstufen ein – die „besseren“ Bedingungen umfassen dann z.B. Frischluftzufuhr (Haltungsform 3) oder eine Auslaufmöglichkeit (Haltungsform 4).
„Die Tierhaltungskennzeichnung soll den Verbraucher*innen suggerieren, dass die Tiere ein schönes Leben hatten. Die Bedingungen in den höheren Haltungsformen sind aber nur minimal besser und verursachen immer noch immenses Tierleid“, so Schmitz.
Das bestätigen auch neue Video-Aufnahmen, die die Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch e.V. veröffentlichte. Die Aufnahmen zeigen Schweineställe der Haltungsstufen 3 und 4 mit erschreckenden Ergebnissen: Verletzte oder tote Tiere, vollgekotete Ställe, Sauen in Kastenständen, kein Beschäftigungsmaterial. In einem Betrieb wurden die Tiere beim Verladen geschlagen.
„Mit riesigen Summen in Stallumbauten investieren und dann den Verbraucher*innen durch vermeintlich bessere Labels ein gutes Gefühl geben – das ist ein absolut falsches Zeichen für die Zukunft der Landwirtschaft. In der Realität werden diese Maßnahmen weder den Tieren noch dem Klima- oder Umweltschutz helfen“, erklärt Schmitz.
Stattdessen fordert Faba Konzepte, dass Alternativen zur Tierhaltung gefördert werden. „Wir brauchen einen gerechten Abbau der Tierhaltung und sinnvolle Maßnahmen für eine pflanzenbasierte Ernährungswende. Landwirt*innen müssen dabei unterstützt werden ihre Betriebe umzustellen. Wir fordern daher eine Neuauflage des Chancenprogramm Höfe und einen Aktionsplan für pflanzenbasierte Ernährung wie in Dänemark.“
Im „Chancenprogramm Höfe“ der vorigen Ampel-Regierung sollten landwirtschaftliche Betriebe dabei unterstützt werden, von der Tierhaltung auf die Produktion und Verarbeitung innovativer Proteine und klimafreundlicher Lebensmittel umzustellen. Faba Konzepte veröffentlichte hierzu 2024 gemeinsam mit weiteren Organisationen ein Empfehlungspapier.
„CDU, CSU und SPD haben die Chance, die Landwirtschaft auf einen zukunftsfesten Weg zu bringen. Dafür braucht es keine scheinheiligen Tierwohl-Maßnahmen, sondern eine gerechte Transformation zu einem pflanzenbasierteren Ernährungssystem.“
6. März 2024. Die drei Organisationen Faba Konzepte, Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau und TransFARMation Deutschland haben ein Empfehlungspapier zum neuen „Chancenprogramm Höfe“ der Bundesregierung veröffentlicht. Am 21. März um 18 Uhr laden sie zu einer Online-Gesprächsrunde über die Empfehlungen ein.
Das „Chancenprogramm Höfe“, für das im Bundeshaushalt 30 Mio. Euro vorgesehen sind, soll landwirtschaftliche Betriebe dabei unterstützen, von der Nutztierhaltung auf die Produktion und Verarbeitung innovativer Proteine und klimafreundlicherer Lebensmittel umzustellen. Bislang steht aber nicht fest, welche Maßnahmen im Einzelnen finanziert werden sollen. Das heute veröffentlichte Empfehlungspapier macht dafür konkrete Vorschläge.
Die drei Organisationen empfehlen zum einen, Modellregionen einzurichten, wo sich relevante Akteur:innen vernetzen und neue Wertschöpfungsketten für pflanzliche Nahrungsmittel aufbauen können. Zum anderen skizzieren sie verschiedene bundesweite Maßnahmen, die interessierten Betrieben den Umstieg erleichtern und Anreize dafür schaffen können. Dazu gehören gezielte Investitionsförderungen sowie gute Beratungs- und Weiterbildungsangebote für die verschiedenen Akteur:innen der Wertschöpfungskette. Das Empfehlungspapier betont außerdem, dass das Chancenprogramm und einzelne Betriebsumstellungen wissenschaftlich begleitet werden sollten, um Best-Practices evaluieren zu können und skalierbar zu machen.
Im Rahmen der Online-Vortragsreihe Faba Talks von Faba Konzepte am 21. März 2024 um 18 Uhr werden die Autor:innen das Empfehlungspapier vorstellen, um im Anschluss mit relevanten Akteur:innen dazu ins Gespräch zu kommen. Mit dabei:
Nähere Informationen und Anmeldung zur Veranstaltung: https://faba-konzepte.de/faba-talks/
Zum Empfehlungspapier: https://faba-konzepte.de/papers/
Über die veranstaltenden Organisationen:
Faba Konzepte: Die Organisation Faba Konzepte setzt Impulse für die Transformation des Ernährungssystems. Der gemeinnützige Verein arbeitet für den Abbau der Tierhaltung und eine gerechte, pflanzenbasierte Ernährung für alle. Mit Studien, Konzeptpapieren, Veranstaltungen und engagierter Öffentlichkeitsarbeit mischt sich Faba Konzepte in die gesellschaftliche Debatte ein, vernetzt Akteur:innen aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Zivilgesellschaft und unterstützt zukunftsweisende Veränderungen von unten. Siehe auch: https://faba-konzepte.de/
Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e.V.: Der Förderkreis ist ein gemeinnütziger, breiter Zusammenschluss von engagierten Privatpersonen, Betrieben und Institutionen aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Wissenschaft sowie NGOs mit Sitz in Berlin und derzeit etwa 130 Mitgliedern. Der Verein hat einen Bildungs- und Beratungsauftrag im deutschsprachigen Raum zu den Biozyklisch-Veganen Richtlinien, die 2017 von der IFOAM in die Family of Standards aufgenommen wurden und damit weltweit kontrollier- und zertifizierbar sind. Siehe auch: www.biozyklisch-vegan.org
TransFARMation Deutschland: TransFARMation Deutschland begleitet landwirtschaftliche Betriebe, die aktuell zum Beispiel Eier-, Milch- oder Fleischprodukte erzeugen, auf ihrem Weg in eine nachhaltige Landwirtschaft ohne Tiernutzung. Der gemeinnützige Verein unterstützt die Betriebe durch eine individuelle Beratung, Konzepterstellung, Vernetzung sowie Öffentlichkeitsarbeit und dient während des gesamten Prozesses als Ansprechpartner der Landwirt:innen. Siehe auch: https://transfarmation-deutschland.de/
Die Organisation Faba Konzepte kritisiert einseitige Beeinflussung des Bürgerrats.
Am heutigen Sonntag legte der Bürgerrat „Ernährung im Wandel“ in Berlin seine Empfehlungen vor. Die Organisation Faba Konzepte betont, dass die Empfehlungen wichtige Maßnahmen für ein gerechteres Ernährungssystem aufzeigten. Allerdings hätten die Teilnehmenden des Bürgerrats keine ausgewogenen Informationen erhalten. Die Auswahl der Inputvorträge sei lückenhaft und einseitig gewesen, kritisiert die Organisation. Dies habe insbesondere im Hinblick auf Tierhaltung und „Tierwohl“ zu unzureichenden Empfehlungen geführt.
„Einige der Empfehlungen sind wegweisend und können dazu beitragen, Ungerechtigkeit abzubauen und umweltfreundlichere Ernährungsweisen zu fördern“, sagt Dr. Friederike Schmitz von Faba Konzepte. Dazu gehören die Empfehlungen, ein kostenloses Mittagessen für alle Kinder einzuführen, pflanzliche Grundnahrungsmittel niedriger zu besteuern und die Treibhausgasemissionen von Lebensmitteln durch ein einheitliches Label transparent zu machen.
„In Anbetracht der Dramatik der Klimakatastrophe greifen die Empfehlungen allerdings zu kurz“, sagt Schmitz. Denn nötig seien wirksame Maßnahmen, die eine rasche Ernährungswende hin zu pflanzenbasierten Ernährungsweisen unterstützen. Beim Thema ‚Tierwohl‘ seien die Empfehlungen außerdem eklatant unzureichend. „Die Ergebnisse sind nicht überraschend, denn zu beiden Themen sind die Teilnehmer*innen im Bürgerrat unausgewogen informiert worden.“
Im Bereich Ernährung liegt eine zentrale Stellschraube in Bezug auf globale Herausforderungen wie die Klimakatastrophe – dementsprechend wichtig wäre eine Debatte hiervon im Bürgerrat gewesen. Dass Klima- und Umweltschutz nicht unter den Fokusthemen war, war zwar eine Entscheidung der Beteiligten selbst. Ihre Auswahl trafen sie jedoch auf der Basis von vier Inputvorträgen, von denen keiner den Zusammenhang von Ernährung und Klima eingehend erklärte. „Wie wichtig es ist, im Sinne des Klimaschutzes insbesondere den Konsum und die Erzeugung von Tierprodukten drastisch zu reduzieren, konnte den Teilnehmenden so nicht anschaulich werden“, so Schmitz.
Das Thema „Tierwohl und Tierhaltung“ bildete den Schwerpunkt der zweiten Sitzung des Bürgerrats. Die Inputvorträge stammten von einem Philosophen, einer Vertreterin des Bundeslandwirtschaftsministeriums sowie von zwei Schweinehaltern. Eine Perspektive aus der Tierschutz- oder Tierrechtsbewegung fehlte gänzlich. In keinem der vier Vorträge wurde das vielfach nachgewiesene, massive Leid der Tiere in verschiedenen Haltungssystemen dargestellt.
„Die Vorträge zur Tierhaltung waren einseitig interessengeleitet“, sagt Dr. Friederike Schmitz. „Selbst der Philosoph, der auf Tierethik spezialisiert ist, kann als Tierhaltungsvertreter gelten. In einem seiner letzten Forschungsprojekte– ging es darum, Tierhalter*innen ethische Argumente an die Hand zu geben, um ihre Praxis zu verteidigen.“ Auf der Grundlage dieser Vorträge konnte keine angemessene Auseinandersetzung mit dem Thema stattfinden.
Entsprechend problematisch sind die erarbeiteten Empfehlungen: Ein einheitliches „Tierwohllabel“ suggeriert, dass es den Tieren in „höheren“ Haltungsstufen gut ginge, obwohl die Unterschiede in den Lebensbedingungen minimal sind. Auch bei den jetzigen Haltungsformen 3 und 4 wird regelmäßig massives Tierleid nachgewiesen.
„Es ist auch nicht zielführend, Produkte aus diesen Haltungsformen niedriger zu besteuern als andere, wie es der Bürgerrat vorschlägt. Weder die Situation der Tiere noch die Auswirkungen auf Umwelt und Klima lassen sich durch solche minimale Anpassungen der Haltungsform wirksam verbessern. Es ergibt auch keinen Sinn, Tierprodukte aus Stufe 3 und 4 mit Fleischersatzprodukten steuerlich gleichzustellen – letztere verursachen in der Regel viel geringere Emissionen. Stattdessen braucht es den drastischen Abbau der Tierzahlen und eine Ernährungswende hin zu pflanzenbasierten Ernährungsweisen.“
Über 120 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Zivilgesellschaft diskutierten am vergangenen Wochenende in Berlin über mögliche Maßnahmen und Perspektiven für eine Reduktion der Tierhaltung in Deutschland.
Dabei betonten Vertreter*innen diverser relevanter Institutionen, dass eine solche Transformation sowohl dringend notwendig als auch auf gerechte Weise umsetzbar sei. Daraus ergeben sich klare Forderungen an Politik und Gesellschaft. Die Konferenz „Tierzahlen runter, und zwar gerecht!“ wurde veranstaltet von der Organisation Faba Konzepte.
„Zahlreiche Fachleute sind sich einig: Ein halbherziger Umbau der Tierhaltung kann die massiven Problemen, die mit unserem aktuellen Ernährungssystem verbunden sind, nicht lösen“, sagt Friederike Schmitz von Faba Konzepte. „Dagegen bietet ein gut geplanter und fair organisierter Abbau der Tierhaltung große Chancen – und zwar auch für die Landwirt*innen und Beschäftigten.“
Das Thema wurde auf der Konferenz von Freitag bis Sonntag in acht Vorträgen und sechs Podiumsdiskussionen von verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Wissenschaftler*innen vom Thünen-Institut und Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung standen ebenso auf der Bühne wie Landwirt*innen, die bereits eine Umstellung ihrer Höfe wagen. Daneben waren zahlreiche große NGOs wie der BUND, Greenpeace, Foodwatch, der Deutsche Tierschutzbund und die Deutsche Umwelthilfe vertreten. Ein Blick ins Ausland gelang mit einem Vortrag des niederländischen Umweltaktivisten Johan Vollenbroek.
Im Anschluss finden Sie einige (bereits autorisierte) Zitate von Referent*innen der Konferenz:
„Auch Landwirt:innen könnten durch höhere Einkommen von einer Umstellung auf eine nachhaltige, pflanzenbetonte Ernährung profitieren.“
Dr. Florian Freund, Thünen-Institut für Marktanalyse
„Ein Großteil der Menschen in Deutschland steht hinter dem Schutz unserer Natur und Umwelt. Diese Ziele sind jedoch nur mit einem signifikanten Abbau der Tierzahlen zu erreichen.“
Patrick Müller, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
„Wir sind unter Zeitdruck Klimaziele zu erreichen. Die Reduktion der Tierzahl könnte genutzt werden, um den Obst- und Nussanbau in manchen Regionen in Deutschland perspektivisch auszubauen. Statt dafür Flächen wie in Kalifornien zu nutzen, die selbst unter Trockenheit leiden.“
Margarethe Scheffler, Öko-Institut
„Die Strategien dieser Konferenz zur Reduktion der Tierzahl sollten auch von den großen Parteien besprochen werden.”
Annemarie Botzki, Foodwatch
„Viele Landwirte haben Angst vor der Agrarwende und nehmen diese als Bedrohung war. Deshalb brauchen wir Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung, um Chancen und Wege zu zeigen.“
Daniel Hausmann, Landwirt/TransFARMation
„Dass Tiere als Produktionsmittel gesehen werden, hat mich schon früh gestört, aber ich dachte lange, es müsste so sein. Als ich mich mit alternativen Formen der Landwirtschaft beschäftigt habe, kam es überhaupt erst für mich infrage den Hof zu übernehmen.“
Stefanie Mühlbacher, Landwirtin/Lebenshof Kuhtopia
Presse-Einladung zur Konferenz „Tierzahlen runter, und zwar gerecht!“ von Faba Konzepte ++ 17. – 19. November 2023 ++ Franz-Mehring-Platz 1, Berlin
Über 100 Vertreter*innen aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Zivilgesellschaft diskutieren vom 17. bis 19. November in Berlin über die sozial-ökologische Transformation der Landwirtschaft.
Für Klima, Tierschutz, Gesundheit und globale Gerechtigkeit müssen die Tierzahlen in Deutschland und Europa deutlich sinken. Mit welchen politischen Maßnahmen lässt sich das fair für alle Betroffenen umsetzen? Und was wird benötigt, damit solche Maßnahmen tatsächlich ergriffen werden?
Highlights aus dem Konferenz-Programm:
Dr. Franziska Gaupp: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Transformation des Ernährungssystems – zwischen Wissenschaft und Politik
„Wie kann die Wissenschaft die Politik unterstützen, die richtigen Anreize für ein gesundes, umweltfreundliches und faires Ernährungssystem zu setzen?“
Podiumsgespräch mit Dr. Zoe Mayer, MdB (Bündnis90/Die Grünen): Politische Hebel für die Tierzahlreduktion und deren Perspektiven
Friederike Engelbrecht, Umweltbundesamt: Weniger Tiere, mehr Klimaschutz: mögliche Instrumente zur Umsetzung
„Eine Reduktion von Nutztieren und insbesondere von Wiederkäuern ist grundlegend, um verpflichtende Klimaziele zu erreichen.“
Matthias Welzel, TransFARMation Deutschland: Wege zur Landwirtschaft ohne Tiernutzung: Podiumsgespräch mit Landwirt*innen
„Für eine erfolgreiche, schnelle Umsetzung der Agrarwende sind die Landwirt:innen als zentrale Akteur:innen und wichtige politische Kraft unverzichtbar. Dabei befinden sie sich aktuell in einem komplexen Geflecht aus Traditionen und Tierethik, wirtschaftlichen Zwängen und politischen Unsicherheiten, aus Klimawandelfolgen und sozialen Konflikten.“
Dr. Florian Freund, Thünen-Institut: Vom Teller zum Hof – Was bedeutet eine nachhaltige Ernährung für landwirtschaftliche Betriebe?
„Immer mehr Menschen essen weniger tierische Produkte. Im landwirtschaftlichen Sektor wird das oftmals kritisch gesehen. Wir haben das genauer erforscht und herausgefunden, dass diese Befürchtungen nicht unbedingt angebracht sind.“
Podiumsdiskussionen u. a. mit:
Tagesspiegel Background (2025)
TAZ (2025)
Westdeutsche Allgemeine Zeitung (2025)
Table Media (2025)
Vegconomist (2025)
Westdeutsche Allgemeine Zeitung (2025)
Focus Online (2024)
Klimareporter.de (2024)
rbb24 (2024)
Klimareporter.de (2024)
Interview auf MDR Kultur (2023)
Essay in der taz (2022)