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Anhaltende Trockenheit setzt die Landwirtschaft in Deutschland unter Druck. In mehreren Bundesländern herrscht Futterknappheit, sodass tierhaltende Betriebe Futter zukaufen müssen oder bereits auf Wintervorräte zurückgreifen – das Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg hat daher jetzt sogar den Katastrophenfall für Bio-Landwirt*innen ausgerufen.
„Diese Futterknappheit ist kein isoliertes Wetterereignis, sondern ein deutliches Warnsignal“, sagt Friederike Schmitz von Faba Konzepte. „Eine Landwirtschaft, die hohe Tierzahlen mit Futter versorgen muss, ist besonders verwundbar, wenn Trockenheit, Hitze und Ernteausfälle zunehmen. Wir müssen unser Ernährungssystem dringend resilienter gestalten – und das bedeutet: pflanzenbasierter!“
Pflanzenbasierte Ernährungssysteme sind krisenfester, weil für pflanzliche Nahrungsmittel weniger Fläche und Ressourcen als für Tierprodukte benötigt werden. Außerdem gefährden zunehmende Wetterextreme auch die Tiere direkt, z. B. durch Hochwasser oder Hitzestress.
„Um Ernteausfälle und Schwankungen besser abzufedern, müssen wir mehr Nahrungsmittel direkt für Menschen anbauen. Die aktuellen Dimensionen der Tierhaltung in Deutschland sind von stabilen Ernten und globalen Lieferketten abhängig – in Anbetracht von immer mehr geopolitischen Konflikten und den zunehmenden Folgen der Klimakrise sind sie nicht mehr zukunftsfähig. Wir müssen endlich aufhören, an der Tierindustrie festzuhalten und im Sinne der Ernährungssicherheit unser Ernährungssystem umgestalten – und damit auch Landwirt*innen eine bessere Zukunftsperspektive geben.“
Antworten auf Kleine Anfrage legen offen: Die Bundesregierung bestreitet nicht, dass ein stärker pflanzenbasiertes Ernährungssystem krisenfester wäre – hält aber dennoch an hohen Tierzahlen und der Förderung der Tierindustrie fest. Faba Konzepte spricht von einer bewussten Gefährdung der Ernährungssicherheit.
Berlin, 20.07.2026. Angesichts zunehmender Krisen und Klimarisiken sehen Fachleute in einer stärker pflanzenbasierten Ernährung ein zentrales Instrument für mehr Versorgungssicherheit. Die Antworten auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion zeigen, dass die Bundesregierung trotz klarer Faktenlage den gefährlichen Status Quo aufrechterhalten und die Tierindustrie weiter unterstützen will.
Dr. Friederike Schmitz, Faba Konzepte: „Die Bundesregierung verspricht Resilienz und Planungssicherheit – aber angesichts eskalierender Klimafolgen sind das leere Versprechen. Noch schlimmer: Indem die Bundesregierung weiter die Tierindustrie fördert, verschärft sie die Risiken für die Ernährungssicherheit. Die Bundesregierung weiß, dass ein stärker pflanzenbasiertes Ernährungssystem krisenfester wäre. Sie stellt damit bewusst die Interessen der Tierindustrie über die Sicherheit der Bevölkerung.”
Dr. Fabian Fahl, MdB, Die Linke: „Volle Supermarktregale geben Menschen in Deutschland ein falsches Gefühl von Sicherheit. Die Antworten auf meine Kleine Anfrage zeigen klar, dass die Bundesregierung die physikalische Realität ignoriert und damit die Versorgungssicherheit der Bevölkerung riskiert. Die Lösungen liegen in mehr pflanzlichen Proteinen, die umwelt- und klimaschonend hergestellt werden können.“
Hintergrund:
Stärker pflanzenbasierte Ernährungssysteme sind krisenfester, weil für pflanzliche Nahrungsmittel weniger Fläche und Ressourcen als für Tierprodukte benötigt werden. Außerdem ist die Tierindustrie besonders anfällig für Klimafolgen – aktuelles Beispiel sind Millionen tote Hühner durch Hitze in Frankreich.
Die Bundesregierung bestreitet in ihren Antworten auf die Kleine Anfrage nicht, dass mehr pflanzliche Ernährung für mehr Sicherheit sorgen würde. Aber anstatt Konsequenzen zu ziehen, weicht sie konkreten Fragen nach Positionierung und geplanten Maßnahmen aus. Sie verweist auf hohe Selbstversorgungsgrade, ohne auf die Importabhängigkeit von Dünger und Futtermitteln einzugehen.
Das Potenzial für erhöhte Krisenresilienz und Ernährungssicherheit, das in stärker pflanzenbasierten Ernährungsweisen liegt, will die Bundesregierung offenbar nicht nutzen – stattdessen will sie weiter die Tierindustrie fördern, genehmigungsrechtliche Hürden sogar reduzieren und Unternehmen bei klimabedingten Verlusten – wie gestorbenen Tieren – finanziell entschädigen.
Faba Konzepte fordert stattdessen, angesichts der Risiken die Tierzahlen rasch zu senken, die Landwirtschaft gerecht umzubauen und pflanzenbasierte Ernährung zum Standard zu machen.
Material:
Hier geht es zu den Antworten auf die Kleine Anfrage: https://dserver.bundestag.de/btd/21/071/2107191.pdf
Forschende der Universität Oxford und des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Aktuelle Dimensionen der Tierhaltung sind wesentliche Schwachstelle unseres Ernährungssystems / Faba Konzepte und Germanwatch fordern entschiedenen Umbau der Landwirtschaft und Ernährungswende
2. Juli 2026. Um die Folgen der Klimakrise abzufedern und die Ernährung weltweit sicherer zu machen, ist eine mehr auf Pflanzen basierende Ernährung unverzichtbar. Das war eine der Kernaussagen von Prof. Dr. Paul Behrens und Dr. Claudia Hunecke bei einem Online-Fachgespräch von Faba Konzepte und der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch am Mittwoch.
Die Teilnehmenden diskutierten mit Blick auf bedrohliche Zukunftsszenarien über die Krisenfestigkeit des deutschen und globalen Ernährungssystems. Aktuell zeigen der Irankrieg und seine Folgen für die Landwirtschaft sowie ein voraussichtlich starker El Niño die Dringlichkeit der Krisenvorbereitung.
Prof. Dr. Paul Behrens, Transformationsforscher an der Oxford Martin School, Oxford University: „Der Klimawandel führt zunehmend zu Missernten und Produktionseinbrüchen – das gefährdet Sicherheit und sozialen Frieden weltweit. Die Tierhaltung ist in Krisen doppelt verletzlich: Ernteausfälle treffen die Futterversorgung, während Hitze und Extremwetter die Tiere selbst schädigen. Um die Folgen der Klimakrise abzufedern, ist eine Umstellung auf eine pflanzenreiche Ernährung unverzichtbar.“
Dr. Claudia Hunecke, Agrarökonomin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: „Besonders wenn mehrere Krisen aufeinandertreffen, müssen wir auch in Deutschland mit deutlichen Preisanstiegen bei Lebensmitteln und damit mehr Ernährungsarmut rechnen. Eine stärker pflanzenbasierte Ernährung würde unser Ernährungssystem langfristig stärken, es krisenfester und funktionsfähiger machen. Sie würde die Versorgungskapazität stärken und mehr Ernährungssicherheit für alle schaffen.“
Dr. Friederike Schmitz, Fachreferentin bei Faba Konzepte: „Die Bundesregierung untergräbt die Sicherheit der Bevölkerung, indem sie weiter die Tierindustrie fördert und praktisch nichts unternimmt, um pflanzenbasierte Ernährung einfacher und zugänglicher zu machen. In Anbetracht aktueller Krisen braucht es jetzt mehr denn je einen gerechten Umbau des Ernährungssystems.“
Konstantinos Tsilimekis, Leiter des Bereichs Landwirtschaft und Ernährung bei Germanwatch: „Aktuell droht aufgrund von Kriegsfolgen und einem voraussichtlich starken El Niño eine erneute erhebliche Verschärfung der Welternährungslage. Gerade vor diesem Hintergrund müssen endlich deutlich stabilere Ernährungssysteme aufgebaut werden. Neben kurzfristigen Krisenbeihilfen und langfristigen Förderungen für Länder des Globalen Südens gehört dazu auch ein starker Ansatz in Deutschland und der EU. Die Abkehr von der industriellen Tierhaltung und die Förderung pflanzlicher Ernährung über ein ausreichendes pflanzliches Angebot und die entsprechende Ausgestaltung von Ernährungsumgebungen ist ein Schlüsselansatz.“
Faba Konzepte arbeitet als gemeinnützige Organisation für die gerechte Transformation zu einem pflanzenbasierten Ernährungssystem in Deutschland und Europa. Mehr: https://faba-konzepte.de/ueber-uns/
Germanwatch ist eine unabhängige Umwelt-, Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisation, die sich für eine zukunftsfähige globale Entwicklung einsetzt. Mehr: https://www.germanwatch.org/de/ueber-uns
Kellinghusen, Schleswig-Holstein: Der Tönnies-Schlachthof R. Thomsen in Kellinghusen schlachtete im Jahr 2024 insgesamt 1.008.179 Schweine. Heute veröffentlichte Zahlen zeigen: Davon wurden 4.843 Tiere vom Veterinäramt für genussuntauglich erklärt.
In einem wochenlangen Rechtsstreit mit der zuständigen Behörde versuchte der Schlachtbetrieb zuvor die Veröffentlichung dieser Zahl zu verhindern – ohne Erfolg.
„Es ist kein Wunder, dass Tönnies solche Daten lieber unter Verschluss halten will. Wir reden von fast 5.000 fühlenden Lebewesen, die 2024 in einem so desolaten Zustand am Schlachthof Kellinghusen angekommen sind, dass sie für genussuntauglich erklärt wurden. Das ist ein Skandal.“, sagt Frederic Markert von Faba Konzepte.
Etwa jedes 200. Schwein wurde demnach nicht für den Verzehr geschlachtet, sondern entsorgt – weil es z.B. zu krank oder verletzt war. Ermittelt hat Faba Konzepte die Zahlen über eine Informationsfreiheitsanfrage an das Veterinäramt im Landkreis Steinburg. Veröffentlicht wurden sie heute auf der „Plattform Schlachtindustrie“ von Faba Konzepte.
„An dieser Zahl sehen wir einmal mehr: Die Tierindustrie ist ein qualvolles System, das endlich beendet werden muss.“, so Markert. „Mit der Plattform machen wir genau solche Daten transparent. Es kann nicht sein, dass die Schlachtindustrie ungehindert Profite auf Kosten anderer macht. Deshalb schaffen wir mit der Plattform eine Gegenöffentlichkeit – und machen ihre Vergehen sichtbar.“
Hintergrund:
Die „Plattform Schlachtindustrie“ verzeichnet auf einer interaktiven Karte aktuell die hundert größten Schlachtbetriebe in Deutschland – hinterlegt mit ausführlichen Informationen über deren Schlachtkapazität, Wasserverbrauch, Treibhausgasemissionen oder Gesetzesverstöße. Dafür hat Faba Konzepte bereits über 300 Informationsfreiheitsanfragen via FragDenStaat gestellt. NGOs, Aktivist*innen, Politiker*innen, Anwohner*innen oder Journalist*innen können die Daten für ihre Arbeit nutzen.
Faba Konzepte arbeitet als gemeinnützige Organisation für die gerechte Transformation zu einem pflanzenbasierten Ernährungssystem in Deutschland und Europa.
Zur Plattform: https://schlachtindustrie.de/
Faba Konzepte kritisiert das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung für den Bereich Landwirtschaft und Ernährung.
„Die Relevanz des Sektors wird massiv heruntergespielt, die geplanten Maßnahmen lassen die größten Potenziale ungenutzt und sind teils sogar kontraproduktiv“, sagt Friederike Schmitz von Faba Konzepte. „Der zentrale Hebel, eine deutliche Reduktion der Tierzahlen und eine Förderung pflanzenbasierter Ernährung, wird nicht angepackt – stattdessen werden klimaschädlich hohe Tierzahlen noch stabilisiert.“
Die Kritik:
Das Klimaschutzpotenzial im Bereich Landwirtschaft und Ernährung insbesondere durch eine stärker pflanzenbasierte Ernährung wird heruntergespielt.
Klimaschutzprogramm behauptet: Mögliche Einsparungen durch Technik 8-16 Mio. t CO2eq pro Jahr, durch Ausweitung pflanzlicher Ernährung 10-27 Mio. t CO2eq pro Jahr.
Dagegen Agora Agrar: Durch die Ernährung mögliche Einsparungen von über 170 Mio. t CO2eq pro Jahr, dabei pflanzenbasiertere Ernährung ein zentraler Hebel
Umweltbundesamt: Potenzial allein durch stärker pflanzenbasierte Ernährung 40-52 Mio. t CO2eq.
Bei den Tierzahlen und bei der Ernährung soll es offenbar keine politische Steuerung geben, bestehende Trends werden einfach akzeptiert
leichte Senkung bei Rind und Schwein ist aus Klimasicht viel zu wenig, Anstieg bei Geflügel ist problematisch sowohl aus ökologischer als auch aus Tierschutz-Perspektive
Bei der Rinderhaltung setzt die Regierung für die Methanreduktion auf Messung, Züchtung und Fütterung – das bedeutet geringere Wirkung und mehr Tierleid
Die Klimaschutzpotenziale sind viel geringer als bei Tierzahl- und Konsumreduktion
Tierversuche, Züchtung und Futtermittelzusätze bedeuten noch mehr Ausbeutung und Leid
Es sind keine wirksamen Maßnahmen für einen fairen Umbau der Landwirtschaft weg von der Tierhaltung, hin zu Alternativen vorgesehen. Ebenso fehlen Maßnahmen für eine Umstellung der Ernährung.
Zwar sollen die Rahmenbedingungen für den heimischen Anbau von Eiweißpflanzen und Förderung gestärkt und alternative Proteinquellen gefördert werden, aber es bleibt vage, in welchem Umfang und wie konkret Maßnahmen wirken sollen.
Die geplante Förderung von Biogasanlagen für die Güllevergärung riskiert durch Anreize für Investitionen einen Lock-in von hohen Tierzahlen, die stattdessen abgebaut werden müssten
Faba Konzepte schafft Transparenz über Tönnies, Wiesenhof und Co.
Mit der „Plattform Schlachtindustrie“ macht Faba Konzepte erstmals umfassende Daten über die hundert größten Schlachtbetriebe Deutschlands übersichtlich zugänglich. Darunter Genehmigungsbescheide, Schlachtkapazitäten, Treibhausgasemissionen und Wasserverbrauch.
„Die Schlachtindustrie ist milliardenschwer – und hat verheerende Konsequenzen für Umwelt, Tiere und Menschen. Doch detaillierte Informationen dazu sind bisher noch viel zu wenig bekannt – ganz im Interesse der Industrie, die Transparenz gezielt verhindert“, sagt Frederic Markert von Faba Konzepte.
Einige Schlachtkonzerne haben bereits Widerspruch gegen die Freigabe bestimmter Informationen eingelegt. So sollten z.B. maximale Wasserentnahmemengen oder erlaubte Schlachtmengen geheim gehalten werden – teilweise ohne Erfolg. Aktuell streitet Tönnies vor Gericht, um nicht preisgeben zu müssen, wie viele Tiere im Schlachthof Kellinghusen jährlich als nicht zum Verzehr geeignet eingestuft wurden, etwa weil sie zu krank sind.
„Die Industrie investiert viel Geld, um sich ein positives Image zu geben. Die Plattform schafft dafür eine Gegenöffentlichkeit“, so Markert. „Mit diesen Daten lassen sich die Auswirkungen, Umweltschäden und unzähligen Skandale der Schlachtkonzerne nicht mehr schönreden. Und sie zeigen: Wir können uns die Schlachtindustrie nicht mehr leisten.“
Hintergrund:
Die „Plattform Schlachtindustrie“ verzeichnet auf einer interaktiven Karte aktuell die hundert größten Schlachtbetriebe in Deutschland – hinterlegt mit ausführlichen Informationen über deren Schlachtkapazität, Wasserverbrauch, Treibhausgasemissionen oder Gesetzesverstöße. Dafür hat Faba Konzepte bereits über 300 Informationsfreiheitsanfragen via FragDenStaat gestellt. NGOs, Aktivist*innen, Politiker*innen, Anwohner*innen oder Journalist*innen können die Daten für ihre Arbeit nutzen.
Faba Konzepte arbeitet als gemeinnützige Organisation für die gerechte Transformation zu einem pflanzenbasierten Ernährungssystem in Deutschland und Europa.
Zur Plattform: https://schlachtindustrie.de/
Folgende Bilder dürfen für die Berichterstattung genutzt werden (Credit: Faba Konzepte):
Neue „Plattform Schlachtindustrie“ deckt erschreckende Zahlen auf
Storkow. Der Geflügelschlachthof in Storkow schlachtete im Jahr 2024 insgesamt 45.298.497 Hühner. Heute veröffentlichte Zahlen zeigen: Davon wurden 1.123.682 Tiere vom Veterinäramt für genussuntauglich erklärt.
„Das ist ein Skandal. Die Schlachtmenge alleine sollte uns allen zu denken geben – hier werden pro Tag um die 125.000 fühlenden Lebewesen getötet.“, sagt Friederike Schmitz von Faba Konzepte, die selbst in Storkow lebt. „Dass davon derart viele Individuen in einem so desolaten Zustand am Schlachthof ankommen, dass sie für genussuntauglich erklärt werden, zeigt einmal mehr: Die Schlachtindustrie ist ein qualvolles System, das endlich beendet werden muss.“
Etwa jedes vierzigste Huhn war demnach so krank oder verletzt, dass es bei Plukon in Storkow nicht für den Verzehr geschlachtet, sondern entsorgt wurde. Ermittelt hat Faba Konzepte die Zahlen über eine Informationsfreiheitsanfrage an das Veterinäramt im Landkreis Oder-Spree. Veröffentlicht wurden sie heute auf der neuen „Plattform Schlachtindustrie“ von Faba Konzepte.
„Mit der Plattform wollen wir genau solche Daten transparent machen“, so Schmitz. „Es kann nicht sein, dass die Schlachtindustrie ungehindert Profite auf Kosten anderer macht. Um ihr etwas entgegenzusetzen, schaffen wir mit der Plattform eine Gegenöffentlichkeit – und machen ihre Vergehen sichtbar.“
Hintergrund:
Die „Plattform Schlachtindustrie“ verzeichnet auf einer interaktiven Karte aktuell die hundert größten Schlachtbetriebe in Deutschland – hinterlegt mit ausführlichen Informationen über deren Schlachtkapazität, Wasserverbrauch, Treibhausgasemissionen oder Gesetzesverstöße. Dafür hat Faba Konzepte bereits über 300 Informationsfreiheitsanfragen via FragDenStaat gestellt. NGOs, Aktivist*innen, Politiker*innen, Anwohner*innen oder Journalist*innen können die Daten für ihre Arbeit nutzen.
Faba Konzepte arbeitet als gemeinnützige Organisation für die gerechte Transformation zu einem pflanzenbasierten Ernährungssystem in Deutschland und Europa.
Zur Plattform: https://schlachtindustrie.de/
Faba Konzepte begrüßt den Reformvorschlag vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), die Steuervergünstigung für Fleisch aufzuheben
In einer gestern veröffentlichten Studie zeigt das PIK, wie die Ernährung in Europa durch Preissignale umweltfreundlicher werden kann.
„Die Produktion von Fleisch verursacht immense Umwelt- und Klimaschäden und bedroht unser aller Ernährungssicherheit“, sagt Friederike Schmitz von Faba Konzepte. „Es ist unklug und ungerecht, diese Industrie durch Steuervergünstigungen noch zusätzlich zu subventionieren.“
„Gerechter ist dagegen, auf Fleisch und andere Tierprodukte den regulären Steuersatz von 19 Prozent anzuwenden und die durchschnittlichen Mehrkosten für die Verbraucher*innen anderweitig auszugleichen.“ Im Vorschlag des PIK werden die zusätzlichen Steuereinnahmen den Haushalten zurückerstattet, so dass unterm Strich nur sehr geringe Mehrkosten entstehen (in Deutschland 15 Euro/Jahr).
Friederike Schmitz: „Aus unserer Sicht wäre es noch besser, zur Entlastung der Menschen die Mehrwertsteuer für pflanzliche Grundnahrungsmittel auf Null zu senken. So wird es leichter, sich gesund und umweltfreundlich zu ernähren.“ Eine solche kombinierte Mehrwertsteuerreform empfiehlt auch das Umweltbundesamt.
Das PIK-Forschungsteam betont, dass die Reform der Mehrwertsteuer nur eine kleine Änderung des Konsums bewirken würde und daher nur ein erster Schritt sein kann.
Schmitz:„Es braucht umfassende Maßnahmen, um pflanzenbasierte Ernährungsweisen zu fördern und die Tierindustrie rasch zurückzubauen. Nur so können wir eine gute Ernährung für alle Menschen auf Dauer sichern.”
Oxford-Professor Paul Behrens warnt: Der Klimawandel erschwert und verteuert die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Tierprodukte sind im Vergleich zu pflanzlichen Alternativen besonders betroffen, denn ihre Erzeugung erfordert mehr Land und Ressourcen und ist ineffizient. Damit gefährdet die Tierindustrie die Ernährungssicherheit auch in Deutschland. Der wichtigste Hebel für mehr Ernährungssicherheit sind pflanzenreiche Ernährungsweisen.
„Wir können uns die Tierindustrie längst nicht mehr leisten“, sagt Friederike Schmitz von Faba Konzepte. „Um unsere Ernährung dauerhaft zu sichern, müssen wir das Ernährungssystem jetzt umbauen: Tierzahlen reduzieren, Landwirt:innen beim Umstieg unterstützen, pflanzliche Ernährung fördern. Wir fordern entschlossene Maßnahmen von der Bundes- und den Landesregierungen.”
Hintergrund: Paul Behrens’ Position im Klimareporter, Gastbeitrag von Friederike Schmitz: Ernährungswende „by design“ oder „by disaster“?
Faba Konzepte arbeitet als gemeinnützige Organisation für die gerechte Transformation zu einem pflanzenbasierten Ernährungssystem in Deutschland und Europa.
07.10.2025. Ab dieser Woche wird der Agrarhaushalt für 2026 im Haushaltsausschuss des Bundestages weiter verhandelt. Die Organisationen Faba Konzepte und Germanwatch fordern, die Posten für „Proteine der Zukunft und Chancenprogramm Höfe“ deutlich zu erhöhen. Damit sollen Betriebe unterstützt werden, die von der Tierhaltung auf innovative Proteine umstellen.
Dr. Friederike Schmitz von Faba Konzepte sagt: „Nur mit mehr Unterstützung für alternative Proteine kann es gelingen, Perspektiven für Betriebe zu schaffen und die Ernährung zu sichern – Ziele, die sich Minister Rainer selbst auf die Fahnen schreibt. Aber die aktuelle Tierhaltung, die weiter massiv staatlich gefördert wird, ist nicht zukunftsfähig. Proteine aus Hülsenfrüchten, Pilzen oder Algen schaffen Einkommen für Betriebe und machen unsere Versorgung krisenfester.“
Konstantinos Tsilimekis, Bereichsleiter Welternährung, Landnutzung und Handel bei Germanwatch, ergänzt: „Die aktuellen Dimensionen der Tierhaltung sind insbesondere für den Klimaschutz nicht zuträglich. Weitere notwendige Treibhausgasreduktionen über das Jahr 2030 hinaus können nur über die Reduktion der Tierhaltung erzielt werden, die zugleich auch Potenziale für etwa den Tierschutz bietet. Es darf daher nicht ausbleiben, betriebliche Alternativen beherzt nach vorne zu bringen und entsprechend zu fördern.“
Zentrale Argumente für die Forderung hat Faba Konzepte auf ihrer Website veröffentlicht: https://faba-konzepte.de/haushaltsverhandlungen-2026-wir-fordern-mehr-unterstuetzung-fuerproteine-der-zukunft/
Faba Konzepte arbeitet als gemeinnütziger Verein für die gerechte Transformation zu einem pflanzenbasierten Ernährungssystem in Deutschland und Europa. Mehr: https://faba-konzepte.de/ueber-uns/
Germanwatch ist eine unabhängige Umwelt-, Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisation, die sich für eine zukunftsfähige globale Entwicklung einsetzt. Mehr: https://www.germanwatch.org/de/ueber-uns
Pressekontakt: Dr. Friederike Schmitz, presse@faba-konzepte.de Konstantinos Tsilimekis, tsilimekis@germanwatch.org
Eine heute veröffentlichte Recherche von CORRECTIV und FragDenStaat zeigt: Industrielle Schlachthöfe verbrauchen enorme Mengen an Grund- und Trinkwasser. Dabei ist Wasser in vielen Regionen schon jetzt eine knappe Ressource. Durch den Klimawandel wird sich das weiter verschärfen. Trotzdem wird die Tierindustrie weiter staatlich gefördert und will teilweise noch expandieren. Der Thinktank Faba Konzepte fordert dagegen einen Rückbau der Industrie als wichtige Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel.
„Wir können uns diese Industrie nicht mehr leisten“, sagt Frederic Markert von Faba Konzepte. „Wasser ist für uns alle überlebenswichtig. Schlachthöfe brauchen wir nicht zum Leben, im Gegenteil – die Tierindustrie schadet Umwelt, Klima und Gesundheit.“
Die Tierindustrie wird trotzdem noch immer auf diversen Wegen staatlich gefördert. Die Recherche von Correctiv und FragDenStaat belegt nun eine weitere Unterstützung für einige Schlachthöfe: keine oder niedrige Wassergebühren. In mehrere Bundesländern dürfen Unternehmen mit eigenen Brunnen kostenlos Grundwasser fördern. Manche Schlachthöfe haben außerdem mit lokalen Wasserversorgern Sonderverträge geschlossen, über den vereinbarten Preis geben sie keine Auskunft. FragDenStaat klagt deshalb gegen einen großen Wasserversorger in Niedersachsen.
Frederic Markert: „Durch den fortschreitenden Klimawandel gerät unsere wichtigste Wasserressource, das Grundwasser, immer stärker unter Druck. Für die Klimaanpassung ist es entscheidend, den Verbrauch zu drosseln – auch durch den Rückbau der Tierindustrie.“
Die Tierindustrie wird stattdessen teilweise noch weiter ausgebaut: Aktuell läuft in Königs Wusterhausen bei Berlin ein Genehmigungsverfahren, weil der Hühnerschlachthof des PHW-Konzerns (Wiesenhof) seine Produktion fast verdoppeln will. 150.000 Hühner sollen dort an einem Tag geschlachtet werden. Dagegen engagiert sich eine Bürgerinitiative und verweist insbesondere auf den hohen Grundwasserverbrauch des Schlachthofs. Im betreffenden Landkreis Dahme-Spreewald herrscht laut einer Studie vom Institut für sozial-ökologische Forschung bereits jetzt sowohl struktureller als auch akuter Grundwasserstress.
Frederic Markert: „Um das Grundwasser zu schützen, müssen die Tierzahlen in der Landwirtschaft runter. Die Alternativen sind verfügbar und brauchen jetzt staatliche Unterstützung. Eine pflanzenbasierte Ernährung schont Ressourcen und ermöglicht eine verlässlichere Versorgung in der fortschreitenden Klimakrise. Der Umbau des Ernährungssystems ist daher eine wichtige Maßnahme zur Klimaanpassung. Die Bundesregierung muss Landwirt*innen dabei unterstützen, ihre Betriebe umzustellen, und pflanzenbasierte Ernährung umfassend fördern. Wir fordern daher den Ausbau des Programms „Proteine der Zukunft“ (ehemals „Chancenprogramm Höfe“) und einen Aktionsplan für pflanzenbasierte Ernährung wie in Dänemark.“
Eine solche Transformation der Landwirtschaft brächte mehrere Vorteile mit sich. Die Tierindustrie verbraucht nicht nur viel Wasser, sondern trägt durch Gülle und Pestizideinsatz für Futtermittel zur Wasserverschmutzung bei. Außerdem heizt sie mit hohen Treibhausgasemissionen die Klimakrise weiter an.
Anlässlich aktueller ARIWA-Veröffentlichungen kritisiert Faba Konzepte die Pläne der neuen Regierungskoalition und fordert stärkere Förderungen von Alternativen zur Tierhaltung.
Berlin, 23.05.2025: Der Think Tank Faba Konzepte e.V. bewertet die Pläne von Union und SPD für den Umbau der Tierhaltung in einem Positionspapier als rückschrittlich und irreführend. Der Verein fordert stattdessen Maßnahmen für den Abbau der Tierhaltung und eine pflanzenbasierte Ernährungswende.
Etwa 1,5 Milliarden Euro jährlich will die neue Regierung im kommenden Haushalt in den „tierwohlgerechten“ Stallumbau investieren. Stallneubauten sollen durch weniger genehmigungsrechtliche Hürden erleichtert werden und für 20 Jahre Bestandsschutz erhalten. Das bereits eingeführte Tierhaltungskennzeichnungsgesetz wollen Union und SPD beibehalten und weiterentwickeln. „Statt Tierhalter*innen dabei zu unterstützen, ihre Betriebe auf zukunftsweisende Alternativen umzustellen, stabilisiert die kommende Regierung die Tierhaltung mit langfristigen Investitionen weiter – und täuscht mit dem Haltungskennzeichen vor, dass es den Tieren dabei gut geht“, sagt Dr. Friederike Schmitz, Vorstand von Faba Konzepte.
Schon seit Jahren wird der Umbau der Tierhaltung auf vermeintlich bessere Haltungsstufen als Lösung für die Probleme mit der Tierhaltung propagiert. Sowohl privatwirtschaftliche Labels wie das Tierschutz-Label der „Initiative Tierwohl“ als auch die staatliche Tierhaltungskennzeichnung ordnen das Fleisch unterschiedlicher Tiere in Haltungsstufen ein – die „besseren“ Bedingungen umfassen dann z.B. Frischluftzufuhr (Haltungsform 3) oder eine Auslaufmöglichkeit (Haltungsform 4).
„Die Tierhaltungskennzeichnung soll den Verbraucher*innen suggerieren, dass die Tiere ein schönes Leben hatten. Die Bedingungen in den höheren Haltungsformen sind aber nur minimal besser und verursachen immer noch immenses Tierleid“, so Schmitz.
Das bestätigen auch neue Video-Aufnahmen, die die Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch e.V. veröffentlichte. Die Aufnahmen zeigen Schweineställe der Haltungsstufen 3 und 4 mit erschreckenden Ergebnissen: Verletzte oder tote Tiere, vollgekotete Ställe, Sauen in Kastenständen, kein Beschäftigungsmaterial. In einem Betrieb wurden die Tiere beim Verladen geschlagen.
„Mit riesigen Summen in Stallumbauten investieren und dann den Verbraucher*innen durch vermeintlich bessere Labels ein gutes Gefühl geben – das ist ein absolut falsches Zeichen für die Zukunft der Landwirtschaft. In der Realität werden diese Maßnahmen weder den Tieren noch dem Klima- oder Umweltschutz helfen“, erklärt Schmitz.
Stattdessen fordert Faba Konzepte, dass Alternativen zur Tierhaltung gefördert werden. „Wir brauchen einen gerechten Abbau der Tierhaltung und sinnvolle Maßnahmen für eine pflanzenbasierte Ernährungswende. Landwirt*innen müssen dabei unterstützt werden ihre Betriebe umzustellen. Wir fordern daher eine Neuauflage des Chancenprogramm Höfe und einen Aktionsplan für pflanzenbasierte Ernährung wie in Dänemark.“
Im „Chancenprogramm Höfe“ der vorigen Ampel-Regierung sollten landwirtschaftliche Betriebe dabei unterstützt werden, von der Tierhaltung auf die Produktion und Verarbeitung innovativer Proteine und klimafreundlicher Lebensmittel umzustellen. Faba Konzepte veröffentlichte hierzu 2024 gemeinsam mit weiteren Organisationen ein Empfehlungspapier.
„CDU, CSU und SPD haben die Chance, die Landwirtschaft auf einen zukunftsfesten Weg zu bringen. Dafür braucht es keine scheinheiligen Tierwohl-Maßnahmen, sondern eine gerechte Transformation zu einem pflanzenbasierteren Ernährungssystem.“
6. März 2024. Die drei Organisationen Faba Konzepte, Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau und TransFARMation Deutschland haben ein Empfehlungspapier zum neuen „Chancenprogramm Höfe“ der Bundesregierung veröffentlicht. Am 21. März um 18 Uhr laden sie zu einer Online-Gesprächsrunde über die Empfehlungen ein.
Das „Chancenprogramm Höfe“, für das im Bundeshaushalt 30 Mio. Euro vorgesehen sind, soll landwirtschaftliche Betriebe dabei unterstützen, von der Nutztierhaltung auf die Produktion und Verarbeitung innovativer Proteine und klimafreundlicherer Lebensmittel umzustellen. Bislang steht aber nicht fest, welche Maßnahmen im Einzelnen finanziert werden sollen. Das heute veröffentlichte Empfehlungspapier macht dafür konkrete Vorschläge.
Die drei Organisationen empfehlen zum einen, Modellregionen einzurichten, wo sich relevante Akteur:innen vernetzen und neue Wertschöpfungsketten für pflanzliche Nahrungsmittel aufbauen können. Zum anderen skizzieren sie verschiedene bundesweite Maßnahmen, die interessierten Betrieben den Umstieg erleichtern und Anreize dafür schaffen können. Dazu gehören gezielte Investitionsförderungen sowie gute Beratungs- und Weiterbildungsangebote für die verschiedenen Akteur:innen der Wertschöpfungskette. Das Empfehlungspapier betont außerdem, dass das Chancenprogramm und einzelne Betriebsumstellungen wissenschaftlich begleitet werden sollten, um Best-Practices evaluieren zu können und skalierbar zu machen.
Im Rahmen der Online-Vortragsreihe Faba Talks von Faba Konzepte am 21. März 2024 um 18 Uhr werden die Autor:innen das Empfehlungspapier vorstellen, um im Anschluss mit relevanten Akteur:innen dazu ins Gespräch zu kommen. Mit dabei:
Nähere Informationen und Anmeldung zur Veranstaltung: https://faba-konzepte.de/faba-talks/
Zum Empfehlungspapier: https://faba-konzepte.de/papers/
Über die veranstaltenden Organisationen:
Faba Konzepte: Die Organisation Faba Konzepte setzt Impulse für die Transformation des Ernährungssystems. Der gemeinnützige Verein arbeitet für den Abbau der Tierhaltung und eine gerechte, pflanzenbasierte Ernährung für alle. Mit Studien, Konzeptpapieren, Veranstaltungen und engagierter Öffentlichkeitsarbeit mischt sich Faba Konzepte in die gesellschaftliche Debatte ein, vernetzt Akteur:innen aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Zivilgesellschaft und unterstützt zukunftsweisende Veränderungen von unten. Siehe auch: https://faba-konzepte.de/
Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e.V.: Der Förderkreis ist ein gemeinnütziger, breiter Zusammenschluss von engagierten Privatpersonen, Betrieben und Institutionen aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Wissenschaft sowie NGOs mit Sitz in Berlin und derzeit etwa 130 Mitgliedern. Der Verein hat einen Bildungs- und Beratungsauftrag im deutschsprachigen Raum zu den Biozyklisch-Veganen Richtlinien, die 2017 von der IFOAM in die Family of Standards aufgenommen wurden und damit weltweit kontrollier- und zertifizierbar sind. Siehe auch: www.biozyklisch-vegan.org
TransFARMation Deutschland: TransFARMation Deutschland begleitet landwirtschaftliche Betriebe, die aktuell zum Beispiel Eier-, Milch- oder Fleischprodukte erzeugen, auf ihrem Weg in eine nachhaltige Landwirtschaft ohne Tiernutzung. Der gemeinnützige Verein unterstützt die Betriebe durch eine individuelle Beratung, Konzepterstellung, Vernetzung sowie Öffentlichkeitsarbeit und dient während des gesamten Prozesses als Ansprechpartner der Landwirt:innen. Siehe auch: https://transfarmation-deutschland.de/
Die Organisation Faba Konzepte kritisiert einseitige Beeinflussung des Bürgerrats.
Am heutigen Sonntag legte der Bürgerrat „Ernährung im Wandel“ in Berlin seine Empfehlungen vor. Die Organisation Faba Konzepte betont, dass die Empfehlungen wichtige Maßnahmen für ein gerechteres Ernährungssystem aufzeigten. Allerdings hätten die Teilnehmenden des Bürgerrats keine ausgewogenen Informationen erhalten. Die Auswahl der Inputvorträge sei lückenhaft und einseitig gewesen, kritisiert die Organisation. Dies habe insbesondere im Hinblick auf Tierhaltung und „Tierwohl“ zu unzureichenden Empfehlungen geführt.
„Einige der Empfehlungen sind wegweisend und können dazu beitragen, Ungerechtigkeit abzubauen und umweltfreundlichere Ernährungsweisen zu fördern“, sagt Dr. Friederike Schmitz von Faba Konzepte. Dazu gehören die Empfehlungen, ein kostenloses Mittagessen für alle Kinder einzuführen, pflanzliche Grundnahrungsmittel niedriger zu besteuern und die Treibhausgasemissionen von Lebensmitteln durch ein einheitliches Label transparent zu machen.
„In Anbetracht der Dramatik der Klimakatastrophe greifen die Empfehlungen allerdings zu kurz“, sagt Schmitz. Denn nötig seien wirksame Maßnahmen, die eine rasche Ernährungswende hin zu pflanzenbasierten Ernährungsweisen unterstützen. Beim Thema ‚Tierwohl‘ seien die Empfehlungen außerdem eklatant unzureichend. „Die Ergebnisse sind nicht überraschend, denn zu beiden Themen sind die Teilnehmer*innen im Bürgerrat unausgewogen informiert worden.“
Im Bereich Ernährung liegt eine zentrale Stellschraube in Bezug auf globale Herausforderungen wie die Klimakatastrophe – dementsprechend wichtig wäre eine Debatte hiervon im Bürgerrat gewesen. Dass Klima- und Umweltschutz nicht unter den Fokusthemen war, war zwar eine Entscheidung der Beteiligten selbst. Ihre Auswahl trafen sie jedoch auf der Basis von vier Inputvorträgen, von denen keiner den Zusammenhang von Ernährung und Klima eingehend erklärte. „Wie wichtig es ist, im Sinne des Klimaschutzes insbesondere den Konsum und die Erzeugung von Tierprodukten drastisch zu reduzieren, konnte den Teilnehmenden so nicht anschaulich werden“, so Schmitz.
Das Thema „Tierwohl und Tierhaltung“ bildete den Schwerpunkt der zweiten Sitzung des Bürgerrats. Die Inputvorträge stammten von einem Philosophen, einer Vertreterin des Bundeslandwirtschaftsministeriums sowie von zwei Schweinehaltern. Eine Perspektive aus der Tierschutz- oder Tierrechtsbewegung fehlte gänzlich. In keinem der vier Vorträge wurde das vielfach nachgewiesene, massive Leid der Tiere in verschiedenen Haltungssystemen dargestellt.
„Die Vorträge zur Tierhaltung waren einseitig interessengeleitet“, sagt Dr. Friederike Schmitz. „Selbst der Philosoph, der auf Tierethik spezialisiert ist, kann als Tierhaltungsvertreter gelten. In einem seiner letzten Forschungsprojekte– ging es darum, Tierhalter*innen ethische Argumente an die Hand zu geben, um ihre Praxis zu verteidigen.“ Auf der Grundlage dieser Vorträge konnte keine angemessene Auseinandersetzung mit dem Thema stattfinden.
Entsprechend problematisch sind die erarbeiteten Empfehlungen: Ein einheitliches „Tierwohllabel“ suggeriert, dass es den Tieren in „höheren“ Haltungsstufen gut ginge, obwohl die Unterschiede in den Lebensbedingungen minimal sind. Auch bei den jetzigen Haltungsformen 3 und 4 wird regelmäßig massives Tierleid nachgewiesen.
„Es ist auch nicht zielführend, Produkte aus diesen Haltungsformen niedriger zu besteuern als andere, wie es der Bürgerrat vorschlägt. Weder die Situation der Tiere noch die Auswirkungen auf Umwelt und Klima lassen sich durch solche minimale Anpassungen der Haltungsform wirksam verbessern. Es ergibt auch keinen Sinn, Tierprodukte aus Stufe 3 und 4 mit Fleischersatzprodukten steuerlich gleichzustellen – letztere verursachen in der Regel viel geringere Emissionen. Stattdessen braucht es den drastischen Abbau der Tierzahlen und eine Ernährungswende hin zu pflanzenbasierten Ernährungsweisen.“
Über 120 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Zivilgesellschaft diskutierten am vergangenen Wochenende in Berlin über mögliche Maßnahmen und Perspektiven für eine Reduktion der Tierhaltung in Deutschland.
Dabei betonten Vertreter*innen diverser relevanter Institutionen, dass eine solche Transformation sowohl dringend notwendig als auch auf gerechte Weise umsetzbar sei. Daraus ergeben sich klare Forderungen an Politik und Gesellschaft. Die Konferenz „Tierzahlen runter, und zwar gerecht!“ wurde veranstaltet von der Organisation Faba Konzepte.
„Zahlreiche Fachleute sind sich einig: Ein halbherziger Umbau der Tierhaltung kann die massiven Problemen, die mit unserem aktuellen Ernährungssystem verbunden sind, nicht lösen“, sagt Friederike Schmitz von Faba Konzepte. „Dagegen bietet ein gut geplanter und fair organisierter Abbau der Tierhaltung große Chancen – und zwar auch für die Landwirt*innen und Beschäftigten.“
Das Thema wurde auf der Konferenz von Freitag bis Sonntag in acht Vorträgen und sechs Podiumsdiskussionen von verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Wissenschaftler*innen vom Thünen-Institut und Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung standen ebenso auf der Bühne wie Landwirt*innen, die bereits eine Umstellung ihrer Höfe wagen. Daneben waren zahlreiche große NGOs wie der BUND, Greenpeace, Foodwatch, der Deutsche Tierschutzbund und die Deutsche Umwelthilfe vertreten. Ein Blick ins Ausland gelang mit einem Vortrag des niederländischen Umweltaktivisten Johan Vollenbroek.
Im Anschluss finden Sie einige (bereits autorisierte) Zitate von Referent*innen der Konferenz:
„Auch Landwirt:innen könnten durch höhere Einkommen von einer Umstellung auf eine nachhaltige, pflanzenbetonte Ernährung profitieren.“
Dr. Florian Freund, Thünen-Institut für Marktanalyse
„Ein Großteil der Menschen in Deutschland steht hinter dem Schutz unserer Natur und Umwelt. Diese Ziele sind jedoch nur mit einem signifikanten Abbau der Tierzahlen zu erreichen.“
Patrick Müller, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
„Wir sind unter Zeitdruck Klimaziele zu erreichen. Die Reduktion der Tierzahl könnte genutzt werden, um den Obst- und Nussanbau in manchen Regionen in Deutschland perspektivisch auszubauen. Statt dafür Flächen wie in Kalifornien zu nutzen, die selbst unter Trockenheit leiden.“
Margarethe Scheffler, Öko-Institut
„Die Strategien dieser Konferenz zur Reduktion der Tierzahl sollten auch von den großen Parteien besprochen werden.”
Annemarie Botzki, Foodwatch
„Viele Landwirte haben Angst vor der Agrarwende und nehmen diese als Bedrohung war. Deshalb brauchen wir Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung, um Chancen und Wege zu zeigen.“
Daniel Hausmann, Landwirt/TransFARMation
„Dass Tiere als Produktionsmittel gesehen werden, hat mich schon früh gestört, aber ich dachte lange, es müsste so sein. Als ich mich mit alternativen Formen der Landwirtschaft beschäftigt habe, kam es überhaupt erst für mich infrage den Hof zu übernehmen.“
Stefanie Mühlbacher, Landwirtin/Lebenshof Kuhtopia
Presse-Einladung zur Konferenz „Tierzahlen runter, und zwar gerecht!“ von Faba Konzepte ++ 17. – 19. November 2023 ++ Franz-Mehring-Platz 1, Berlin
Über 100 Vertreter*innen aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Zivilgesellschaft diskutieren vom 17. bis 19. November in Berlin über die sozial-ökologische Transformation der Landwirtschaft.
Für Klima, Tierschutz, Gesundheit und globale Gerechtigkeit müssen die Tierzahlen in Deutschland und Europa deutlich sinken. Mit welchen politischen Maßnahmen lässt sich das fair für alle Betroffenen umsetzen? Und was wird benötigt, damit solche Maßnahmen tatsächlich ergriffen werden?
Highlights aus dem Konferenz-Programm:
Dr. Franziska Gaupp: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Transformation des Ernährungssystems – zwischen Wissenschaft und Politik
„Wie kann die Wissenschaft die Politik unterstützen, die richtigen Anreize für ein gesundes, umweltfreundliches und faires Ernährungssystem zu setzen?“
Podiumsgespräch mit Dr. Zoe Mayer, MdB (Bündnis90/Die Grünen): Politische Hebel für die Tierzahlreduktion und deren Perspektiven
Friederike Engelbrecht, Umweltbundesamt: Weniger Tiere, mehr Klimaschutz: mögliche Instrumente zur Umsetzung
„Eine Reduktion von Nutztieren und insbesondere von Wiederkäuern ist grundlegend, um verpflichtende Klimaziele zu erreichen.“
Matthias Welzel, TransFARMation Deutschland: Wege zur Landwirtschaft ohne Tiernutzung: Podiumsgespräch mit Landwirt*innen
„Für eine erfolgreiche, schnelle Umsetzung der Agrarwende sind die Landwirt:innen als zentrale Akteur:innen und wichtige politische Kraft unverzichtbar. Dabei befinden sie sich aktuell in einem komplexen Geflecht aus Traditionen und Tierethik, wirtschaftlichen Zwängen und politischen Unsicherheiten, aus Klimawandelfolgen und sozialen Konflikten.“
Dr. Florian Freund, Thünen-Institut: Vom Teller zum Hof – Was bedeutet eine nachhaltige Ernährung für landwirtschaftliche Betriebe?
„Immer mehr Menschen essen weniger tierische Produkte. Im landwirtschaftlichen Sektor wird das oftmals kritisch gesehen. Wir haben das genauer erforscht und herausgefunden, dass diese Befürchtungen nicht unbedingt angebracht sind.“
Podiumsdiskussionen u. a. mit:
Tagesspiegel Background (2026)
Table Briefings (2026)
Vegconomist (2026)
agrarheute (2026)
SHZ (2026)
agrarzeitung (2026)
Märkische Oderzeitung (2026)
Vegconomist (2025)
Klimareporter (2026)
Klimareporter (2025)
Tagesspiegel Background (2025)
TAZ (2025)
Westdeutsche Allgemeine Zeitung (2025)
Table Media (2025)
Vegconomist (2025)
Westdeutsche Allgemeine Zeitung (2025)
Focus Online (2024)
Klimareporter.de (2024)
rbb24 (2024)
Klimareporter.de (2024)
Interview auf MDR Kultur (2023)
Essay in der taz (2022)