Was verstehen wir unter Quartierskantinen

Kurz gesagt #

Gemeinschaftlich kochen, erschwingliche sowie klimafreundliche Mahlzeiten ausgeben und zusammen mit der Nachbarschaft genießen – das ist das Konzept von Quartierskantinen.

Dabei handelt es sich bei dem Begriff Quartierskantinen um eine Sammelbezeichnung. Die einzelnen Kantinen können unter vielfältigen Namen wie Küche für Alle, Nachbarschaftsküche oder solidarische Kantine laufen.

Verschiedene Modelle von Quartierskantinen #

Essen hat Menschen schon immer zusammengebracht. Dafür gibt es international und in der Geschichte unvorstellbar vielfältige Ausprägungen und Bezeichnungen – sicherlich mehr als genug Stoff, um ganze Buchbände zu füllen. Wir wollen uns an dieser Stelle auf unsere heutige Gesellschaft in Deutschland beschränken und bestimmte Begriffsgrenzen verwenden.

Was Quartierskantinen, wie wir sie verstehen, alle gemein haben:

  • Unkommerziell: Eine Quartierskantine ist nicht darauf ausgerichtet, Profit zu erwirtschaften. Stattdessen soll sie zum Gemeinwohl beizutragen. Alle Menschen können mitessen, unabhängig vom eigenen Geldbeutel. Das Essen wird zum Selbstkostenpreis oder darunter ausgegeben.
  • Essen ist politisch: Bei Quartierskantinen geht es scheinbar erst einmal darum, gesund und lecker zu essen. Ernährung ist aber auch ein wichtiger Teil der politischen Sphäre. Einer Quartierskantine liegt meist eine klare Vorstellung zugrunde, wie Ernährung mit Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur zusammenhängt. Dazu gehört oft ein klarer Kompass, warum welche Produkte zum Kochen verwendet werden oder auch nicht. Das Politische erstreckt sich auch auf das Zwischenmenschliche: Diskriminierung und menschenfeindliches Verhalten werden nicht geduldet.
  • Offene Nachbarschaft: Eine Quartierskantine ist kein Dienstleistungsbetrieb mit einer strikten Trennung zwischen Angestellten und Gäst*innen. Grundsätzlich sind alle Besuchenden auch eingeladen mitzuhelfen und alle Helfenden kommen auch in den Genuss des gemeinsamen Essens.

Worin sich Quartierskantinen, wie wir sie verstehen, unterscheiden können:

  • Grad der Selbstorganisation: offenes Plenum vs. angedockt an hierarchische Strukturen (bspw. Leitung angestellt bei einem sozialen Träger oder der Kommune)
  • Personalstruktur: rein ehrenamtlich vs. hauptamtliche Strukturen
  • Unabhängigkeit: getragen und finanziert von der Zivilgesellschaft vs. abhängig von kommunaler Finanzierung oder wirtschaftlichem Sponsoring
  • Haltung zu Lebensmitteln: vegan oder vegetarisch, regional und ökologisch oder möglichst günstig, gerettete Lebensmittel oder möglichst frisch
  • Zielgruppe: ganze Nachbarschaft oder Schwerpunkte (bspw. Bedürftige, Senior*innen, Studierende, …)
  • Frequenz: jeden Tag mehrere Mahlzeiten oder ein Abend pro Woche oder einmal im Quartal
  • Selbstständigkeit: Eigene Räumlichkeiten oder zu Gast in einem Zentrum o. Ä.

Funktionen von Quartierskantinen #

Ihr habt bestimmt bereits genau im Kopf, was euch zur Quartierskantine motiviert. Wir wollen an dieser Stelle trotzdem einen kurzen Überblick darüber geben, welche Funktionen Quartierskantinen erfüllen können. Unter diesem Blickwinkel könnt ihr beispielsweise eure Zielgruppen direkter ansprechen, die Kommunikation mit diversen politischen Akteur*innen verbessern oder Förderanträge mit unterschiedlichen Ausrichtungen stellen.

Im Kern der Arbeit der Quartierskantinen stehen die unmittelbaren sozialen, ökologischen und ökonomischen Funktionen.

Die Kantinen sind auf kostenlose bzw. günstige Essensausgaben und den gemeinschaftlichen, offenen Charakter des gemeinsamen Kochens und Speisens ausgerichtet. So wirken sie sich positiv auf soziale Aspekte der Nachbarschaft aus. Es entsteht ein Treffpunkt, an dem Austausch und Miteinander gefördert wird und Menschen sich im Rahmen einer sinnhaften Tätigkeit selbstwirksam fühlen.

Aus ökonomischer Perspektive schafft ihr einen Ort, der sich der Wirtschafts- und Tauschlogik entzieht und damit alternative Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens und Sorgens aufzeigt. Gleichzeitig stärkt ihr mit Kooperationen möglicherweise – je nach Ausrichtung und Form der Lebensmittelbeschaffung – solche Betriebe, deren Wirtschaftsweise ihr unterstützenswert findet und könnt damit auch zu regionaler Resilienz beitragen.

Das kann auch große ökologische Potenziale bergen: Mit dem Lebensmittelbezug von kleinen, diversen, biologisch wirtschaftenden Betrieben setzt ihr beispielsweise einen Fokus auf den Erhalt von Biodiversität und Bodenleben. Auch mit der Nutzung geretteter Lebensmittel werden Ressourcen geschont und der Lebensmittelverschwendung entgegengewirkt. Und nicht zuletzt besitzt eine vegane Verpflegung auch die größten Potenziale für den Klimaschutz.

Diese drei Komponenten wirken aber nicht nur für sich und unmittelbar, sondern werden verstärkt und erweitert durch die Sphären der Bildung, Öffentlichkeitsarbeit und politischer Arbeit. So fungieren Quartierskantinen beispielsweise als Lern- und Erfahrungsorte zur Ernährungswende für die beteiligten Helfenden und Besuchenden. Sie regen außerdem mit Öffentlichkeitsarbeit den regionalen Diskurs an und sorgen für mehr Bewusstsein. Darüber hinaus wirken sie auch politisch als Blaupause alternativer Daseinsfürsorge, womit Kampagnen- und sonstige politische Arbeit möglich ist.

Die folgende Grafik soll diese verschiedenen Funktionen veranschaulichen.

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