Keine Quartierskantine ohne Küche – so viel ist klar. Manche Gruppen starten mit einer vorhandenen Küche, die bisher ungenutzt war oder zeitweise zur Verfügung steht. Wenn ihr noch keinen festen Ort habt, liegt darin eine zentrale Herausforderung für die Gründung eurer Quartierskantine. Wir beginnen mit einigen grundlegenden Überlegungen zu Anforderungen an die Räumlichkeiten.
Lage und Ort #
Eine Quartierskantine beruht auf mehr als nur auf Küche und Speiseraum. Sie ist immer eingebettet in ein Gebäude, eine Nachbarschaft, einen Stadtteil. Deshalb hängt eure Quartierskantine von Faktoren ab, die ihr nicht oder nur sehr wenig beeinflussen könnt. Um zu prüfen, ob sich ein bestimmter Ort für euer Projekt eignet, könnt ihr euch zum Beispiel fragen:
Macht das Gebäude einen einladenden Eindruck oder wirkt es eher wie eine länger schon nicht mehr sanierte Kaserne? Liegt der Haupteingang zum Gebäude direkt an einer vielbefahrenen Straße oder in einem verkehrsberuhigten Bereich? Ist der Standort zentral gelegen und gut angebunden, ist er in ein sozial benachteiligtes Quartier eingebettet oder liegt er mitten in einer Villengegend?
Als Einstieg in die Raumsuche solltet ihr euch über eure Ansprüche an die Lage und den Ort klar werden:
- Stadtteil: Sozialstruktur, Erreichbarkeit, …
- Direktes Umfeld: Nähe zu ÖPNV, Parkmöglichkeiten für Fahrräder und Autos, gastronomisches Umfeld, …
- Gebäude: Offenheit, Zustand der Infrastruktur, …
- Verortung im Gebäude: Zugänglichkeit, Barrieren, …
Rechtliche Anforderungen #
Für Orte, an denen Essen für Dritte zubereitet und ausgegeben wird, gibt es eine Reihe von rechtlichen Vorschriften. Auf vieles gehen wir in einem separaten Abschnitt ein. An dieser Stelle zeigen wir auf, was es für die Raumfindung braucht.
Am komfortabelsten ist es, wenn eine vom Gesundheitsamt bereits abgenommene Küche genutzt werden kann. Es kann sich lohnen, bei Stadtteilzentren, Wohnungsgenossenschaften, Sozialverbänden etc. anzufragen.
Wenn das nicht der Fall ist, gibt es einige Anforderungen, die die Räumlichkeiten erfüllen müssen. Hierfür stellen die lokalen Behörden für gewöhnlich Informationsblätter zur Verfügung. Hier zwei Beispiele:
- Informationen für Lebensmittelunternehmer (Frankfurt a. M.)
- Anforderungen an eine gewerbliche Küche (Kassel)
Die Räumlichkeiten müssen in der Regel beim zuständigen Veterinär- bzw. Lebensmittelüberwachungsamt gemeldet werden und es muss ein Nutzungs- und Hygienekonzept vorgelegt werden.
Speisebereiche #
Küche, Garderobe, Lager und Personaltoiletten – diese Räume sind zwar notwendig und relevant für die lokalen Behörden, aber in der Regel für Besuchende nicht zugänglich. Nun kommen wir zum öffentlichen Gesicht der Quartierskantine: den Speisebereichen.
Im Konzept von Quartierskantinen spielt das gemeinschaftliche Essen eine zentrale Rolle. Ihr braucht also einen ausreichend großen Raum mit genug Stühlen und Tischen, die bestenfalls auch zu größeren Tafeln zusammengesetzt werden können.
Ihr solltet auch von Anfang an mitdenken, wie das Essen zu den Menschen kommt. In manchen Quartierskantinen bedienen Helfende die Besucher*innen direkt am Tisch. In anderen Kantinen wird das Essen zentral ausgegeben, wofür es dann einen gut geeigneten Platz braucht: gut zugänglich sowohl von der Küche als auch für die Gäst*innen, mit ausreichend Raum für eine nicht zu gedrängte Warteschlange.
Außerdem ist ein barrierearmer Zugang wichtig. Für den ganzjährigen Betrieb sollte auf jeden Fall ein beheizbarer Speisebereich verfügbar sein. Für den Sommer ist ein ansprechender Außenbereich ein tolles Extra.
Wenn ihr mehrere Bereiche nutzen könnt, bietet das die Möglichkeit, diese unterschiedlich auszurichten: beispielsweise einen Kinder- oder Familienbereich, oder einen mit Musik und einen ohne.