Finanzierung

Grundbegriffe #

Quartierskantinen können vielfältige Zwecke erfüllen: beispielsweise zum Klimaschutz beitragen oder sozialen Zusammenhalt stärken. Einen Zweck müssen Quartierskantinen, wie wir sie hier betrachten, allerdings nicht erfüllen: Profit erwirtschaften. Sie stellen kein Geschäftsmodell dar, sondern dienen dem Gemeinwohl. Da wir jedoch im Kapitalismus leben, bleibt es auch nicht aus, dass der Betrieb einer Quartierskantine mehr oder weniger finanzielle Ressourcen erfordert. Mehr oder weniger, da es – wie wir gleich noch zeigen werden – viele Möglichkeiten gibt, aus dem kommerziellen System auszubrechen.

Für die Finanzierung von Quartierskantinen gibt es vereinfacht gesagt zwei Herangehensweisen, wir nennen sie an der Stelle Budget-orientiert und Bedarfs-orientiert.

Budget-orientierte Finanzierung

Zentrale Kenngröße hierbei ist das effektiv für die Quartierskantine zur Verfügung stehende Budget. Kurz gesagt: Je mehr Geld zur Verfügung steht, desto mehr Spielräume bestehen bei der Ausgestaltung der Quartierskantine. Etwa im Hinblick auf die Lebensmittelbeschaffung: Könnt ihr es euch leisten, kauft ihr ökologische Lebensmittel ein – wenn nicht, dann gibt es nur gerettete Lebensmittel sowie Discounter-Produkte. Das Konzept ist hierbei dynamisch und kann sich über die Zeit wandeln, je nachdem, ob gerade mehr oder weniger Budget vorhanden ist.

Bedarfs-orientierte Finanzierung

Den Ausgangspunkt bildet hier die genaue Ausgestaltung eures Quartierskantinen-Konzepts und der sich daraus ergebende Finanzbedarf. Um beim Beispiel Bio-Lebensmittel zu bleiben: Entscheidet ihr euch dazu, dass es in eurer Quartierskantine nur ökologische Lebensmittel geben soll, dann ergibt sich daraus ein (im Vergleich zu konventionellen Lebensmitteln) erhöhter Finanzbedarf. Das Konzept ist hier also fix und ihr müsst so viel Fundraising betreiben, bis die erforderlichen Gelder für euer Konzept zusammengekommen sind.

Kombinierte Finanzierung

In der Praxis könnt ihr beide Herangehensweisen kombinieren: Während bestimmte Aspekte eures Quartierskantinen-Konzepts fix sind (beispielsweise ein ausschließlich veganes Angebot) macht ihr andere abhängig vom Budget (beispielsweise ob ihr einen Nachtisch zubereitet oder lediglich gerettetes Obst ausgebt).

In jedem Fall ist es gut, zunächst zu ermitteln, wie hoch der Finanzbedarf für euer gewünschtes Quartierskantinen-Konzept ist.

Ermittlung der Finanzbedarfe #

Anders als die standardisierten Filialen von sogenannten Systemgastronomien wie McDonalds, Subway oder Kamps ist jede Quartierskantine einzigartig. Und so vielfältig die Quartierskantinen, so unterschiedlich sind auch die jeweiligen Finanzbedarfe.

Im Folgenden fächern wir auf, welche verschiedenen Bereiche ihr bei der Ermittlung der Finanzbedarfe bedenken solltet. Und wir geben euch Tipps, wie ihr konkret bei der Schätzung vorgehen könnt.

Personalkosten

Bei rein ehrenamtlichen Quartierskantinen entfällt dieser Posten, denn es gibt es keine Angestellten und alle arbeiten unentgeltlich. Soll das Kantinen-Team für die anfallenden Aufgaben entlohnt werden, können die Personalkosten schnell zum größten Budgetposten werden. Doch zwischen diesen beiden Polen gibt es auch verschiedene Varianten:

Ehrenamtliches Team, einzelne Aufgaben übernehmen Hauptamtliche:

  • Beispiel der Kantine für Alle: Küchenteam komplett ehrenamtlich; einzelne Aufgaben an BFD ausgelagert; für alle im Stadtteilzentrum stattfindenden Projekte gibt es mehrere Hauptamtliche (u. a. Instandhaltung, Putzen der Sanitäranlagen)
  • andere mögliche Option: Küchenteam komplett ehrenamtlich; Buchhaltung, Putzen der Toiletten, Sozialarbeiter teilweise über Stellen

Hauptamtlicher Koordinator bzw. einzelne Rolle(n) und ehrenamtliches Team:

  • Beispiel einer Stadtteilküche in Kassel: organisiert von einem Koordinator mit einer 10h-Arbeitswoche und einem ehrenamtlichem Team

Je nach Anstellungsart fallen die Personalkosten unterschiedlich hoch aus. Eine sozialversicherungspflichtige Anstellung geht mit den höchsten Kosten einher. Minijobs und Honorarbeschäftigungen gehen demgegenüber mit geringeren Arbeitgeberkosten einher.

Daneben gibt es noch Freiwilligendienste wie den Bundesfreiwilligendienst, das Freiwillige Soziale Jahr oder das Freiwillige Ökologische Jahr: Hier bekommen die Freiwilligen kein Gehalt, sondern ein Taschengeld. Der Vorteil daran: Gemeinnützige Organisationen können dafür Zuschüsse vom Staat erhalten und die Freiwilligen können das Taschengeld mit der Grundsicherung kombinieren.

Und nicht zuletzt gibt es auch die Möglichkeit, dass Ehrenamtliche eine Aufwandsentschädigung erhalten („Ehrenamtspauschale“). Möglich ist auch eine Erstattung von Aufwänden im Ehrenamt, etwa für Fahrkarten von zuhause zur Quartierskantine, was dann jedoch als Sachkosten zu berücksichtigen wäre.

Raumkosten

Idealerweise entstehen gar keine Raumkosten, weil eine bestehende Küche samt Speisebereich unentgeltlich genutzt werden kann. Beispielsweise gibt es an vielen Orten Stadtteil- oder Gemeindezentren, die vom Staat dafür betrieben werden, dass öffentliche Veranstaltungen wie Quartierskantinen dort stattfinden können.

Mancherorts gibt es auch autonome Zentren, die von solidarischen Strukturen betrieben werden, oder Orte der studentischen Selbstverwaltung. Auch hier entstehen in der Regel keine regulären Mietkosten, ggf. wird eine kostendeckende Beteiligung an den Spendeneinnahmen vereinbart.

Wichtig ist mitzubedenken, dass ihr neben einer Küche und einem Speisebereich in der Regel noch weiteren Räume braucht: Toiletten, einen Ort zum Umziehen für das Team samt Garderobe, um Jacken und Rucksäcke verstauen zu können, ggf. eine öffentliche Garderobe und nicht zuletzt ein Lager für eure Vorräte.

Möglich sind auch kreative Kooperationen, etwa mit Gastronomie oder Schul- bzw. Betriebskantinen. Die ada_Kantine in Frankfurt ist beispielsweise aus der Besetzung einer leerstehenden Kantine der ehemaligen Akademie der Arbeit entstanden (daher auch der Name „ada“).

Entscheidet ihr euch dazu, Kantinenräumlichkeiten zu mieten oder gar zu kaufen, wird das den Aufwand für die Finanzierung eurer Quartierskantine erheblich erhöhen. Aber auch das ist mit Glück bei der Objektsuche und einem guten Fundraising-Konzept machbar.

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Küchenausstattung

Selbstverständlich hat der Kapitalismus, wie in anderen Bereichen unseres Lebens, auch für die Küche allerlei nützliche Geräte in allen Formen und Farben hervorgebracht. Manche Spezialausstattung kann tatsächlich nützlich sein, aber auch mit einfachen Mitteln lassen sich vorzügliche Speisen zubereiten. Im Anhang findet ihr eine beispielhafte Basis-Ausstattung für eine pflanzenbasierte Quartierskantine mit 50 Gäst*innen.

Wenn ihr eine vorhandene Küche nutzt, müsst ihr idealerweise (zunächst) gar keine Ausstattung anschaffen. Wenn doch, dann bietet es sich an, auf Gebrauchtmärkten wie kleinanzeigen.de oder einem lokalen Second-Hand-Laden zu stöbern.

Wer bei Küchenausstattung vor allem an Töpfe, Bretter und Pfannen denkt: Um nicht nur ein leckeres, sondern auch bekömmliches Essen zu kochen, ist Hygiene von zentraler Bedeutung. Schürzen und Mützen, frische Geschirrtücher und Reinigungsmittel sollten in ausreichender Menge vorhanden sein.

Lebensmittel

Kommen wir zum Kern der Angelegenheit: dem Essen. Wie bei „Grundbegriffe“ beschrieben, hängt der Finanzbedarf stark vom jeweiligen Konzept eurer Quartierskantine ab.

Es gibt Quartierskantinen, die nahezu komplett mit geretteten Lebensmitteln kochen und nur wenige Zutaten wie Salz und Speiseöl dazukaufen – so lässt sich anschaulich Kritik an der gegenwärtigen Wegwerfgesellschaft üben, es erfordert aber viel Spontaneität beim Kochen.

Wiederum andere legen Wert darauf, einen Beitrag zur regionalen Agrarwende zu leisten und knüpfen Verbindungen zu ökologischen Betrieben.

Und auch was die Komplexität der Gerichte angeht, ergibt sich eine Bandbreite: von einfachen Suppen über reichhaltige Eintöpfe bis hin zu Aufläufen mit Toppings, Salat und Nachspeise.

Es empfiehlt sich, eine oder mehrere Probe-Kochveranstaltungen durchzuführen, um für das eigene Konzept Erfahrungswerte zu sammeln.

Nachfolgend haben wir für euch grobe Anhaltspunkte zusammengestellt:

Kostenbeispiel pro Mahlzeit und Person

Öffentlichkeitsarbeit

Damit euer Projekt schnell bekannt wird und sich langfristig verankern kann, solltet ihr Öffentlichkeitsarbeit von Anfang an mitdenken – sowohl bei der Kosten- als auch bei der Arbeitszeitkalkulation. Wenn ihr euer Kantinenprojekt auch spezifisch als politisches Projekt versteht und ihr zu verknüpften Themen (etwa Ernährungsarmut, Auswirkungen des aktuellen Ernährungssystems etc.) Aufklärungsarbeit leisten möchtet, solltet ihr dafür mehr Zeit einplanen.

Im digitalen Raum lässt sich auch ohne viel Aufwand eine Präsenz aufbauen. Eine Website gibt es ab wenigen Euro im Monat (bspw. bei https://uberspace.de/ oder https://www.manitu.de/) und Social Media lässt sich unentgeltlich einrichten.

Im analogen Raum sind Druckmedien für die schnelle Bekanntmachung und Verankerung eurer Kantine im Umfeld wichtig: beispielsweise ein Banner an der Außenwand des Gebäudes, Poster als Aushänge und Flyer zum Mitnehmen in lokalen Läden und Institutionen.

Sonstiges

Die in den vorherigen Unterkapiteln genannten Bereiche machen in der Regel den Großteil der Kosten aus. Daneben gibt es aber auch noch einige Posten, die ggf. ebenfalls zu berücksichtigen sind:

  • Transportkosten: Wenn ihr noch nicht mit Fahrrädern samt Packtaschen oder sogar Lastenrädern ausgestattet seid, dann solltet ihr ein Budget für den Transport einplanen. Sowohl das Einkaufen als auch das Retten großer Mengen an Lebensmitteln kann zu einem Abenteuer ausarten.
  • Interne Organisation: Eine Quartierskantine erfordert auch einiges an Organisation im Hintergrund. Es empfiehlt sich die Einrichtung einer Cloud zur Ablage gemeinsamer Dokumente und zur gemeinsamen Bearbeitung von Dateien. Einen festen Raum für regelmäßige Plena und einen Lagerort für Flyer solltet ihr bezüglich möglicher Mietkosten auch berücksichtigen.
  • Versicherungen: Auch die im Kapitel 4 „Hygiene & Recht“ genannten Versicherungen kosten Geld und müssen daher in den Finanzkalkulationen mitbedacht werden. Wenn ihr in einem Stadteilzentrum angesiedelt seid oder bei einem bereits bestehenden Verein unterkommen könnt, greift ggf. deren Versicherung auch für euer Kantinenprojekt.
  • Erstattungen von Aufwendungen im Ehrenamt: Ihr könnt euren Ehrenamtlichen anbieten, Aufwendungen zu erstatten, die ihnen im Zuge der Mitarbeit entstehen: beispielsweise Gebühren für die vorgeschriebenen Lebensmittelbelehrungen oder Fahrtkosten.

Mittelbeschaffung #

Die Mittelbeschaffung (oder aus dem Englischen das „Fundraising“) umfasst die verschiedenen Aktivitäten, um Geld für eure Quartierskantine zu akquirieren. Wir geben euch einen Überblick über die vielfältigen Fundraising-Ansätze. Aber vorweg sei schon einmal gesagt: Beim Fundraising könnt ihr kreativ werden. Vielleicht kommen euch eigene, innovative Ideen, wie ihr die nötigen Mittel für euer Projekt einsammeln könnt?

Und wie in der Landwirtschaft und auf dem Teller gilt auch beim Fundraising: Die Vielfalt macht‘s. Setzt ihr nur auf eine Finanzierungsquelle, entstehen Abhängigkeiten und ein Ausfall ist schwer zu kompensieren. Etabliert ihr mehrere Säulen der Finanzierung, könnt ihr besser auf einzelne Ausfälle reagieren und bleibt anpassungsfähig.

Im Folgenden geben wir euch eine Übersicht über verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten.

Kostenbeteiligung der Gäst*innen

Eine Kostenbeteiligung der Gäst*innen ist wohl die direkteste Möglichkeit, Mittel für eure Quartierskantine zu sammeln. Ein Glas neben die Essensausgabe gestellt, ein paar Münzen reingelegt, ein kleiner Zettel mit einem Hinweis, wofür die Spende verwendet wird und schon ist eigentlich für alle klar: Hier kann ich Geld rein werfen, um mich an den Kosten für das Essen zu beteiligen.

Grundsätzlich lassen sich hierbei zwei Ansätze unterscheiden: Hat euer Essen einen festen, nach außen kommunizierten Preis oder ist es kostenlos und die Leute sind eingeladen zu spenden? Bei Spendenempfehlungen scheint die Grenze zu verschwimmen, aber rechtlich gesehen ist das ein springender Punkt: Gemeinnützige Vereine müssen strikt unterscheiden zwischen Spenden und wirtschaftlichen Einnahmen.

Und auch politisch ist die Frage von zentraler Bedeutung: Sind alle eingeladen mitzuessen, egal ob sie viel oder wenig (bzw. gar kein Geld) haben? Allein die Tatsache, dass ein (wenn auch sehr geringer) Preis erhoben wird, kann für manche Menschen eine Hürde darstellen. Gleichzeitig kann es für das Team frustrierend sein, wenn am Ende eines leckeren Essens nur ein paar Groschen in der Kasse zusammengekommen sind.

Vielleicht beginnt ihr zunächst ohne einen festen Preis. Wenn ihr merkt, dass zu wenig dabei herumkommt, dann versucht es mit gezielter Kommunikation: Macht transparent, wie viel Geld ihr insgesamt bräuchtet, um die Kosten zu decken. Schlüsselt auf, um welche Posten es sich handelt und appelliert daran, dass diejenigen, die über ausreichend Geld verfügen, auch gerne einen größeren Beitrag leisten können. Ihr könnt auch ein Barometer basteln, mit dem ihr anschaulich darstellt, wie viel Geld euch noch fehlt.

Finanz-Barometer für das Essen auf einem Camp

Solltet ihr euch dafür entscheiden, das Essen nicht kostenlos auszugeben, sondern mit einem Preis zu versehen, dann könntet ihr erwägen, eine Preisspanne einzuführen: Wer wenig hat, kann den Preis am untersten Ende der Spanne zahlen, wer mehr hat, kann den Maximalpreis zahlen – nach Selbsteinschätzung.

Habt ihr euch dazu entschieden, feste Preise oder Preisspannen zu setzen, solltet ihr euch frühzeitig mit den Regelungen der Umsatzsteuer auseinandersetzen. Auch ein gemeinnütziger Verein gilt in den Bereichen als „Unternehmer“ nach § 2 UStG, in denen er als „wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb“ oder „Zweckbetrieb“ agiert. (Folgende Aufstellung gilt für alle Organisationsformen)

Gewerblich oder beruflich ist jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen, auch wenn die Absicht, Gewinn zu erzielen, fehlt oder eine Personenvereinigung nur gegenüber ihren Mitgliedern tätig wird“ (Umsatzsteuergesetz § 2 Unternehmer, Unternehmen)

Entsprechend zählt das Ausgeben von Speisen gegen Geld zu den steuerpflichtigen Umsätzen. Dahingegen gelten Spenden, Mitgliedsbeiträge und Zuschüsse (z. B. Fördermittel, Preise etc.) als nicht steuerpflichtig.

Insgesamt werden im Gesetz vier Bereiche unterschieden: ideeller Bereich (steuerfrei), Zweckbetrieb sowie Vermögensverwaltung – etwa Mieteinnahmen – (steuerbegünstigt) und wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb (steuerpflichtig). Letzterer umfasst Umsätze aus dem „klassischen Wirtschaftsbetrieb“ mit Gewinnerzielungsabsicht, welche mit 19 % besteuert werden. Umsätze im Sinne eines Zweckbetriebs werden ausschließlich aus gemeinnützigen Zwecken gewonnen (siehe in der Vereinssatzung festgelegter Vereinszweck) und dürfen auch anschließend ausschließlich zu diesem Zweck verwendet werden. Ist es beispielsweise das Ziel eures Vereins Ernährungsarmut zu bekämpfen und ihr finanziert eure Kantine mithilfe eines solidarischen Preissystems, so dürfen die daraus gewonnen Mittel auch weiterhin nur für diesen Zweck eingesetzt werden. Umsätze werden in einem solchen Fall begünstigt mit 7 % besteuert.

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Die Voraussetzungen für einen steuerbegünstigten Zweckbetrieb liegen dann vor, wenn

  1. Umsätze der unmittelbaren Verwirklichung der gemeinnützigen Satzungszwecke dienen,
  2. für diese unentbehrlich sind und
  3. der Verein dadurch nicht mehr als unbedingt notwendig in Wettbewerb zu anderen tritt. Dies würde beispielsweise zutreffen, wenn ein Unternehmen vergleichbare Leistungen erbringen würde, dafür jedoch (nicht-begünstigte) Steuern zahlen muss.

Allgemein gilt, dass beim konsequenten Unterschreiten bestimmter rechtlich festgelegter Umsatzgrenzen die sogenannte Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) greift. Aktuell liegen diese Grenzen für das Vorjahr bei 25.000 € und für das laufende bei 100.000 €. Liegen eure Umsätze entsprechend unter den Beträgen, bleibt ihr für diese beiden Jahre von der Umsatzsteuer befreit – egal ob im Zweckbetrieb oder im wirtschaftlichen Bereich. Übersteigen die Umsätze des vorherigen Jahres jedoch die 25.000 €-Grenze, müssen die Umsätze des folgenden aktuellen Jahres unabhängig von ihrer Höhe besteuert werden.

Die Pflicht zur Umsatzsteuer bemisst sich demnach immer am Vorjahr, vorausgesetzt, dass bei einer Befreiung durch das Unterschreiten der 25.000 € im Vorjahr die Umsätze des aktuellen Jahres nicht 100.000 € übersteigen. Übersteigen die Umsätze im aktuellen Jahr jedoch 100.000 € muss die Umsatzsteuer für das aktuelle Jahr geleistet werden.

Im Anhang findet ihr zwei Beispiele zur Veranschaulichung.

Crowdfunding

Auch ohne eine unmittelbare Kostenbeteiligung an der Essensausgabe könnt ihr eure Gäst*innen und darüber hinaus die solidarische Öffentlichkeit an der Finanzierung eures Projekts beteiligen. Das Stichwort dafür lautet Crowdfunding. Aus dem Englischen stammend, lässt es sich ungefähr mit Schwarmfinanzierung übersetzen.

Ihr könnt das Crowdfunding als Kampagne aufziehen, um beispielsweise vor der Gründung eurer Quartierskantine das nötige Startkapital einzusammeln. Oder ihr ladet dazu ein, Fördermitgliedschaften abzuschließen, um eure Quartierskantine mit einem regelmäßigen Beitrag zu unterstützen – beispielsweise mit der Bezeichnung „Teller-Pat*innenschaften“.

Beispiele:

  • Die ada_Kantine in Frankfurt hat über ihr Crowdfunding auf der Website betterplace.org bereits über 60.000 € an Spenden eingesammelt.
  • Die Kulturküche in Karlsruhe bewirbt ihre Fördermitgliedschaften mit einem Willkommensgeschenk und einem Newsletter mit Einblicken hinter die Kulissen.

Anders als beim Beitrag in eine Spendendose interessieren sich potentielle Spender*innen beim Crowdfunding häufig dafür, ob die Spende steuerlich absetzbar ist. Das ist der Fall bei Spenden an gemeinnützige Organisationen. Für Spender*innen lohnt sich das, weil sie die Spende bei ihrer Steuererklärung berücksichtigen und damit ihre zu zahlenden Steuern reduzieren können.

Crowdfunding-Tools, die ihr für eure Kampagne verwenden könnt:

Tipps für Crowdfunding-Kampagnen:

Gemeinschaftsgetragene Gastronomie

Einigen wird das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) bereits bekannt sein: Bei einer SoLaWi schließen sich Gärtner*innen und Konsument*innen zusammen. Das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft erklärt das Konzept so: „In der Solidarischen Landwirtschaft tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebes, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten, sie werden Ernte-Teilende. Durch den persönlichen Bezug zueinander erfahren sowohl die Produzierenden als auch die Verbrauchenden die vielfältigen Vorteile einer nicht-industriellen, markt-unabhängigen Landwirtschaft.“ (Netzwerk Solidarische Landwirtschaft e. V. (2024). Online: https://www.solidarische-landwirtschaft.org/startseite/ (zuletzt abgerufen am 06.12.2024)).

Aufbauend auf dem Konzept der Solidarischen Landwirtschaft (Community Supported Agriculture, CSA) lässt sich dieses Organisations- und Finanzierungsprinzip verallgemeinern und als „gemeinschaftsgetragenes Wirtschaften“ beschreiben. Charakteristisch ist, dass eine Gemeinschaft nicht einzelne Produkte erwirbt, sondern die wirtschaftliche Grundlage eines Betriebs gemeinsam trägt, indem laufende Kosten über regelmäßige Beiträge vorfinanziert werden. Erträge und Risiken werden solidarisch geteilt.

Übertragen auf die Gastronomie entsteht daraus das Modell einer gemeinschaftsgetragenen Gastronomie, das auch für Quartierskantinen spannend sein könnte. Gäst*innen agieren hier nicht primär als Kund*innen, sondern als Mittragende des Betriebs. Anstelle klassischer Einzelabrechnungen steht eine solidarische, von der Nachfrage weitgehend entkoppelte Finanzierung im Vordergrund. Dieses Modell knüpft direkt an die Logik von CSA an und wird im Englischen entsprechend als „Community Supported X“ (CSX) gefasst. Ziel ist eine Abkehr von rein marktorientierten Strukturen zugunsten stabilerer Arbeitsbedingungen und engerer sozialer Beziehungen.

Weitere Infos zur gemeinschaftsgetragenen Gastronomie findet ihr zum Beispiel in diesem Artikel der Zeitung contraste.

Öffentliche Förderungen

Ernährung ist ein Grundbedürfnis, das Recht auf angemessene Ernährung ein Menschenrecht. Angesichts der Tatsache, dass viele Menschen jedoch nicht genug Geld für gute Ernährung haben, drängt sich die Frage auf: Was leistet staatliche Ernährungspolitik und was müsste sie eigentlich leisten?

Wo der Staat nicht liefert, kann die Zivilgesellschaft einspringen: Quartierskantinen leisten einen wichtigen Beitrag dafür, dass Menschen niedrigschwellig Zugang zu gutem Essen erhalten. Damit sollte der Staat aber nicht aus seiner Verantwortung entlassen werden, vielmehr ist es in dem Fall angemessen, dass Quartierskantinen hierfür öffentliche Förderungen erhalten.

Beachtet: Öffentliche Förderungen können allerdings Herausforderungen mit sich bringen. Zum einen stellen öffentliche Förderprogramme in der Regel Bedingungen, an die die Förderungen geknüpft sind. Die solltet ihr euch vorab genau anschauen und diskutieren, was diese für euch bedeuten würden. Zum anderen ist die öffentliche Fördermittellandschaft stets im Wandel, bedingt durch sich wechselnde Mehrheiten in Gremien und durch Regierungswechsel. Macht ihr eure Quartierskantine zu abhängig von öffentlichen Förderungen, kann es passieren, dass ihr dem Wohlwollen einzelner politischer Akteur*innen ausgeliefert seid.

Verwaltungsgliederung in Deutschland (Nachbau)

Der Staat verfügt auf verschiedenen Ebenen über Fördermöglichkeiten – oftmals beschränkt auf gemeinnützige Tätigkeiten. Diese Ebenen können folgende Möglichkeiten bieten:

Orts- bzw. Stadtteile: Diese ist die unterste Ebene der öffentlichen Verwaltung in Deutschland. Ihre Bezeichnung ist lokal unterschiedlich. Die Verwaltungsgebiete heißen unter anderem Ortsteil, Stadtteil oder Bezirk. Vielerorts verfügen die Orts-, Stadtteil- oder Bezirksbeiräte über eigene Haushalte, in denen Mittel für Projekte vorgesehen sind (mal Ortsteilbudget, mal Dispositionsmittel oder anders genannt). Am besten schaut ihr, welche Parteien im Ortsbeirat vertreten sind, und kontaktiert eine Person einer Partei eurer Wahl, um euer Projekt vorzustellen und nach einem möglichen Zuschuss zu fragen. Es kann sinnvoll sein, einen konkreten Bedarf aufzuzeigen, beispielsweise Kosten für eine Küchenmaschine.

Gemeinden bzw. Städte: Die kommunale Ebene ist für lokal verortete Projekte wie Quartierskantinen von zentraler Bedeutung. Eine Gemeinde oder Stadt kann über verschiedene Fördertöpfe verfügen. Vielleicht existieren bereits passende Fördertöpfe, auf die ihr euch mit eurem Konzept bewerben könnt. Oder ihr könnt die Kommune überzeugen, dass es höchste Zeit ist, den Aufbau von Quartierskantinen zu unterstützen. Auch hier kann es hilfreich sein, auf einzelne Mitglieder im Gemeinde- oder Stadtrat zuzugehen und Möglichkeiten auszuloten. Ihr könnt schauen, welche Parteien euch in ihrem jeweiligen Kommunalprogramm am nächsten stehen und darüber den Kontakt suchen.
Neben zeitlich begrenzten Projektförderungen können Kommunen Einrichtungen übrigens auch dauerhaft mit festen Haushaltsposten fördern. Wenn auch die Hürden hierfür zwar höher sind, kann sich die Arbeit mit Perspektive auf eine unbefristete Förderung aber sehr lohnen.

Landkreise bzw. Regierungsbezirke:Je nach Region gibt es zwischen der kommunalen und der föderalen (Bundesländer) Ebene noch Landkreise und/oder Regierungsbezirke – auch hier kann es geeignete Fördermittel geben. Um in dem vielschichtigen Verwaltungskomplex zielsicher zu navigieren, kann es nützlich sein, euch mit anderen lokalen Akteur*innen zu vernetzen. Vielerorts bestehen bereits zivilgesellschaftliche Strukturen, die einen Überblick über Fördermöglichkeiten und Erfahrungen mit der Beantragung haben. Vielleicht gibt es bei euch ein soziokulturelles Netzwerk oder einen Kreisjugendring, an die ihr euch wenden könnt.

Bundesländer: Auf föderaler Ebene kann es auch passende Fördertöpfe geben, wobei sich die konkrete Förderlandschaft stark zwischen den verschiedenen Ländern unterscheidet. In Hessen gibt es etwa die Servicestelle für Ernährungsinitiativen in Hessen, angesiedelt beim Landwirtschaftsministerium. In Berlin erhielten die LebensMittelPunkte eine Unterstützung durch die Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz. Die Kulturküche Karlsruhe hat eine Unterstützung aus dem Förderprogramm „Gut Beraten!“ erhalten, dessen Mittel der Landtag beschlossen hatte. Ihr könnt euch beispielsweise bei Ernährungsräten in eurem Bundesland erkundigen, welche Förderprogramme in Frage kommen – oder selbst im Internet nachforschen.

Bund: Je nach inhaltlicher Ausrichtung eurer Quartierskantine können unterschiedliche Förderprogramme auf Bundesebene für euch passend sein. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat beispielsweise hat spezielle Förderprogramme für ländliche Räume. Im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist das Programm „Demokratie Leben“ angesiedelt, das zivilgesellschaftliches Engagement „für ein vielfältiges und demokratisches Miteinander sowie die Arbeit gegen Radikalisierungen und Polarisierungen in der Gesellschaft“ unterstützt.

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Projektförderungen

Neben dem Staat gibt es eine Vielzahl von Vereinen, Stiftungen und Einzelpersonen, die ebenfalls Förderprogramme für Initiativen bereitstellen. In der Regel handelt es sich hierbei um Projektförderungen, das heißt zeitlich befristete Förderungen für bestimmte Aktivitäten.

Im Rahmen eines Antragsverfahrens müsst ihr zunächst darlegen, was ihr im jeweiligen Förderzeitraum vorhabt und inwiefern das mit den allgemeinen Zielen und speziellen Förderrichtlinien des jeweiligen Fördermittelgebers übereinstimmt. Oftmals übersteigen die beantragten Projektmittel die zur Verfügung stehenden Fördermittel deutlich, sodass ein Fördermittelgeber nur diejenigen Projekte auswählt, die am meisten Übereinstimmung mit seinen Zielen aufweisen.

So erfreulich es ist, über Projektförderungen Mittel zu erhalten, geht damit eine grundlegende Problematik einer: Ihr müsst euch von Projekt zu Projekt hangeln, denn eine dauerhafte Finanzierung ist damit nicht machbar.

Zudem sollte der Aufwand für das Projektmanagement auch nicht unterschätzt werden. Nach der Antragsstellung muss die Auszahlung beantragt werden, Zwischenberichte müssen geschrieben und die Buchhaltung entsprechend der Fördervorgaben durchgeführt werden. Am Projektende muss letztlich auch genau nachgewiesen werden, dass die Mittel entsprechend des Projektantrags verwendet wurden. Das ist alles machbar, aber erfordert zeitliche Ressourcen und Struktur. Unterstützung durch Menschen oder Initiativen, die Erfahrung mit Förderanträgen haben, kann da sehr hilfreich sein.

Es gibt eine kaum zu überblickende Zahl an potentiellen Fördermittelgebern, die jeweils ihren speziellen thematischen Fokus und ggf. regionale Begrenzungen haben. Es gibt aber eine Reihe von Praxisratgebern, die helfen, das Dickicht zu lüften.

Außerdem gibt es viele Angebote für Initiativen, um mehr über die Kniffe der Antragsstellung zu lernen, beispielsweise folgende:

Wettbewerbe und Preise

Eine besondere Form des Fundraisings stellen Auszeichnungen dar: Anders als bei Projekt- oder öffentlichen Förderungen, bei denen erst die Förderung und dann die Durchführung kommt, handelt es sich bei Preisen um eine Förderung, die für eine bereits bestehende Aktivität ausgelobt wird. Sie zeichnen Initiativen aus, die nachweislich etwas Besonderes auf die Beine gestellt haben. Und besonders praktisch ist dabei: Oftmals kann über das Preisgeld freier verfügt und es muss keine bestimmte Mittelverwendung nachgewiesen werden.

Andere Förderprogramme schreiben auch Ideenwettbewerbe aus, um junge Initiativen finanziell, aber auch ideell zu fördern: Hier haben Gruppen dann zusätzlich die Chance, an Workshops oder Mentoringprogrammen teilzunehmen und so ihre Initiative weiter zu entwickeln.

Viele Auszeichnungen haben einen regionalen Bezug, es lohnt sich also zu recherchieren. Übersichten zu überregionalen Preisen findet ihr zum Beispiel hier:

  • Übersicht über Wettbewerbe und Preise der Bundeszentrale für politische Bildung
  • Preislandschaft der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt

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Kooperationen

Ergänzend zur eigentlichen Mittelbeschaffung könnt ihr auch versuchen, unentgeltliche Kooperationen einzugehen: Anstatt Geld zu beantragen, um damit beispielsweise Lebensmittel zu kaufen oder einen Transporter zu mieten, zielen Kooperationen darauf ab, direkt Lebensmittel gespendet zu bekommen oder einen Transporter mitnutzen zu können.

Am besten funktionieren solche Kooperationen in der Nachbarschaft. Hier ein paar Beispiele:

  • Landwirtschaftliche Betriebe oder der Bio-Lieferservice aus eurer Region geben euch B-Ware-Gemüse ab.
  • Gastronomiebetriebe geben euch noch brauchbare Küchenausstattung ab, wenn sie sich neue Geräte anschaffen.
  • Der Copyshop um die Ecke gibt euch einen Rabatt für den Druck eurer Flyer.

Die konkreten Kooperationsbedingungen müsst ihr dann individuell vereinbaren. Es kann Unternehmen geben, die euch einfach so helfen, andere möchten im Gegenzug vielleicht auf ihrem Social-Media-Kanal darüber berichten oder möchten, dass ihr Name auf eurer Website erwähnt wird.

Caterings

Kooperationsanfragen können von ganz alleine kommen: begeisterte Gäst*innen, die gerade eine Veranstaltung planen und dort auch gerne so tolles Essen wie in eurer Quartierskantine servieren würden.

Über solche Bewirtungen, auch Caterings genannt, könnt ihr ebenfalls Mittel generieren. Als Verein könnt ihr dafür eine Rechnung schreiben – auch gemeinnützige Vereine dürfen das, müssen das lediglich in der Steuererklärung gesondert im wirtschaftlichen Geschäftsbereich ausweisen.

Welchen Preis ihr für ein Catering verlangt, verhandelt ihr mit den Auftraggeber*innen. Beispielsweise könnt ihr einen Soli-Preis ausmachen für euch nahestehende politische Organisationen und von zahlungskräftigen Unternehmen oder Initiativen einen höheren Preis verlangen.

Zur Kalkulation könnt ihr einen Preis pro Mahlzeit festlegen und mit der erwarteten Anzahl an Besuchenden hochrechnen. Wenn ihr außerdem Geschirr stellt und den Transport der Speisen übernehmt, könnt ihr eine zusätzliche Gebühr aufschlagen.

Im Anhang findet ihr:

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